Was Mütter wollen, wünschen, fühlen, denken – das haben wir in den letzten Jahren ausführlich unter die Lupe genommen. Aber wie sieht es mit den Vätern aus? Was wollen die moderne Männer? Wollen sie anders sein als die Generationen vor ihnen? Möchten sie lieber eine sanfte statt einer steilen Karriere zugunsten von mehr Quality Time mit der Familie? Wie finden sie es, wenn die Mutter ihrer Kinder bald nach der Geburt wieder in den Job zurückkehrt? All diesen Fragen widmet sich unsere Autorin & Fotografin Pamela Rußmann in ihrer neuen Serie „PAPA TALKS“.

PAPA TALKS No.1

Fotos & Text: Pamela Rußmann / September 2017

Eckdaten des Papas:

– Vorname: Harald

– Alter: 43

– Beruf: Optiker

– Wie viele Kinder und in welchem Alter: zwei Mädchen (3 und 9 Jahre alt)

– Wohnort: Wien

– Familienstand: verheiratet

 

Lieber Harald, du bist Papa von zwei Mädchen im Alter von 3 und 9 Jahren. Mit so jungen Töchtern ist natürlich immer was los. Welche Themen beherrschen momentan den Alltag?

So lange jedes Rädchen in sich greift, funktioniert unser Alltag sehr stimmig. Fällt einer von uns aus, beginnt man zu jonglieren. Irgendwie funktioniert es glücklicherweise dann doch immer wieder. Unsere momentanen Themen sind 4.Klasse Volksschule, das heißt erstmalig Noten, und die Suche nach einem – wahrscheinlich – Gymnasium. Und die Kleine kommt von der Krippe in den normalen Kindergarten, aber sie will nicht 😉

Bevor deine erste Tochter auf die Welt gekommen ist: hast du dir Gedanken gemacht, welche Art von Papa du sein möchtest? Was erschien dir als wichtige Eigenschaft, die ein Vater, so wie du ihn dir vorstellst, mitbringen oder anstreben soll?

Für mich war es wichtig: wenn ich einmal Kinder habe, dann will ich mich gleichwertig um sie kümmern und sie nicht nur am Wochenende sehen. Deshalb war ich auch acht Monate in Karenz und arbeite seit dieser Familienauszeit auch nur mehr 30 Stunden die Woche. Die wichtigste Eigenschaft aus meiner Sicht ist ein liebevoller und verständnisvoller Umgang mit ihnen, auch wenn man oft an seine Grenzen stößt…

Als werdender Vater ist man naturgemäß in der Schwangerschaft ein bissl außen vor – aber wie war der Moment, als du das erste Mal deine Töchter gesehen hast im Krankenhaus? Kannst du dich noch erinnern, wie sich das für dich angefühlt hat?

Ehrlich gesagt war ich bei der Geburt meiner ersten Tochter etwas überfordert. Ich war ein bisschen wie in Trance und brauchte meine Zeit, um zu realisieren, dass ich jetzt die Verantwortung für ein Menschenleben habe. Dafür liebe ich sie jetzt umso mehr. Bei der Geburt meiner zweiten Tochter war es viel emotionaler. Ich war schon reifer diesbezüglich und es war ein unbeschreiblicher Moment. Wir waren uns von Anfang an sehr nahe!

Warst du bei den Geburten dabei?

Ja, und ich kann mich noch an viele Details erinnern, schön war´s!

Ganz ehrlich: Wäre es auch eine Option gewesen zu sagen, „nein, direkt dabei sein will ich nicht, ich warte lieber vor dem Kreißsaal“? Oder hast du daran gar nicht gedacht?

Nein, das wäre für mich nie eine Option gewesen. Unsere absoluten Wunschkinder endlich aus dem Bauch schlüpfen zu sehen, das war schon ein magischer Moment – aber irgendwie auch surreal.

Wie hat sich dein Blick auf deine Frau verändert, deren Aufmerksamkeit du ja nun mit den beiden Kindern teilen musst?

Ich finde, dass sie jeden Tag eine Höchstleistung erbringt mit Arbeit, Kindern und Haushalt. Trotzdem schaffen wir es, glaube ich, sehr gut, die Zweisamkeit nicht zu kurz kommen zu lassen. Ich verliebe mich immer wieder aufs neue in meine Frau, und ich verstehe auch Männer nicht, die auf ihre Kinder eifersüchtig sind, weil diese vielleicht mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Babys bzw. Kinder generell bewirken bei Vätern mitunter, dass sie den Zugang zur eigenen Emotionalität wieder entdecken oder vertiefen. Wie hat dich die Vaterschaft verändert?

Ich bin schon ein sehr emotionaler und gefühlsbetonter Mensch, vielleicht ein „untypischer“ Mann. Was die Vaterschaft jedoch sicher verändert hat, ist, dass ich noch verletzlicher wurde bzw. Angst davor habe, dieses wunderschöne Leben irgendwann einmal zu verlieren. Hoffentlich dauert es noch ganz lange!

Ganz ehrlich: in einer Wohnung mit so viel weiblicher Energie – in welchen Momenten wünschst du dir mehr Verständnis für deine Interessen?

Ehrlich gesagt liebe ich diese weibliche Energie! Am Anfang dachte ich mir, ein Bub, der meine Begeisterung für Fußball teilen würde, wäre auch nicht schlecht. Mittlerweile kann ich sogar beide Mädchen a bissl für meine Lieblingsmannschaft begeistern. Und eigentlich bin ich ein Mädchenpapa oder man kann auch sagen: Frauenversteher 😉

Gibt es Spiele oder Aktivitäten, die die Mädels lieber mit dir machen als mit der Mama?

Fußball schauen.

Mütter tauschen sich – wie wir wissen – gern am Spielplatz aus, erörtern Fragen vom besten Kinderarzt bis zu Ernährungstipps, klagen einander vielleicht auch ihr Leid – aber wie ist das bei den Papas? Wo und wie tauschen die sich aus? Was machst du in Phasen, in denen man nicht genau weiß, wie tun mit dem Nachwuchs?

Mit anderen Vätern rede ich nicht so intensiv über Kinderthemen. Vielleicht kenne ich die falschen. Ich unterhalte mich über Kinder ausführlicher eher mit Müttern.

Wie sieht euer Familienzeit/Arbeitszeit-Modell aus? Für welche Aufteilung habt ihr euch entschieden?

So viel gemeinsame Zeit verbringen wie möglich. Wir alle vier! Wir teilen uns die Kinderbetreuung so auf, dass meine Frau und ich je 30 Stunden pro Woche arbeiten können. Ab und zu müssen Oma und Opa einspringen, und ein Kurzurlaub mit meiner Frau und mir – nur wir zwei allein – geht sich auch manchmal aus, aber am liebsten sind wir eh immer alle zusammen!

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für den Schul- bzw. Kindergartenstart!

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