Der Kutschkermarkt: Unbemerkt, klein und fein

Der Kutschkermarkt ist der (bisher) wahrscheinlich unterschätzteste Markt in Wien – und das ist auch gut so. Im schönen 18. Wiener Gemeindebezirk vulgo Währing gelegen, verbindet er die Währinger Straße mit der Schulgasse und ist demnach gerade mal eine Querstraße lang. Wo anfangs ein paar Gemüsestände vorhanden waren, hat sich mittlerweile eine bunte Mischung an Gemüsehändlern, ein Blumenhandel und ein paar sehr kleine, feine Cafés und Gaststätten niedergelassen.

Gerade wenn man mit dem Kinderwagen am Wochenende unterwegs ist und die Massen am Naschmarkt oder Yppenplatz scheuen möchte, ist der Kutschkermarkt eine angenehme Alternative. Es herrschen für eine Großstadt fast familiäre Verhältnisse. Man kennt sich. Standbetreiber und Kunden, Kunden andere Kunden und Kinder andere Kinder.

Um die Ecke gibt es eine neue Kinderkrippe und Kindergarten namens Sorgenlos und das mitten am Markt liegende Lokal namens Himmelblau ist vielleicht einigen Leserinnen und Lesern vom Salon Mama bereits schon bekannt. Letzteres ist mittlerweile ein beliebter Treffpunkt für Jungmütter und Jungväter geworden, die unter Tags in gemütlicher Atmosphäre einen Kaffee trinken wollen.

Unser absolutes Highlight ist aber der Käsestand von Frau Pöhl, der schon eine längere Historie hat, wie Frau Pöhl selbst berichtet:

Meine Eltern waren Gastwirte und ab meinem dritten Lebensjahr Fleischer in Wien. Bei uns hat es immer was Gutes zum Essen gegeben. Ich bin mit Gästen und Kunden aufgewachsen. Als mich mein Vater vor gut 30 Jahren darauf aufmerksam gemacht hat, dass am Kutschkermarkt ein Käsestand zu besetzen wäre, habe ich sofort zugeschlagen: Das Marktleben mit seinen Farben, Gerüchen, Klängen und den Menschen, die einkaufen, essen, sich treffen, reden, lachen, aufleben wollen – das war von Anfang an meine Welt.

Wenngleich der Käsestand noch immer ein zentrales Element am Markt ist, und die Auswahl grandios ist, hat sich der Stand in den letzten Jahren ordentlich weiter entwickelt und bietet mittlerweile die wahrscheinlich beste Eierspeis der Stadt – im Pfandl! Ob italienisch (mit Prosciutto und getrockneten Tomaten) oder mit Trüffel (vegetarisch!) und dazu selbst belegte Brote mit Kren und hausgemachtem Beinschinken – es ist auf der kleinen Karte für Jede und Jeden Etwas dabei. Der Kinderspielplatz direkt daneben führt manchmal leider zu einem erhöhten Lärmpegel und reges Kinderwagentreiben, ermöglicht aber den Eltern gutes Essen ohne dabei die Kids aus den Augen zu verlieren.

Durch einen zeitgemäßen Zubau (Selbstbedienung) werden regionale Happen, frische Säfte und italienische Spezialitäten offeriert. Im Winter gibt es einen herrlichen Schilcher-Glühwein oder Cider aus Graz und im Sommer gibt es eine tolle Auswahl verschiedener Weine.

Am Beginn des Kutschkermarkt gibt es auch noch bei Hüsyin’s Weltmeister Kebab einen unvorstellbar guten Kebab. Der Name ist also Programm.

Ein Besuch an einem Samstagvormittag kann ich nur wärmstens empfehlen – egal ob Winter oder Sommer.

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