Soll ich mein Kind impfen? – Ein Reality Check

Impfung bei Kindern

Die Masern feiern in Europa gerade ein fulminantes Comeback und in den USA gibt es eine ehemalige Pornodarstellerin namens Jenny McCarthy, die sich sicher ist, dass Imfpungen Autismus auslösen. Gerade wenn es um Impfungen bei Kindern geht, herrscht breite Skepsis und Unsicherheit. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig. Es scheint, als ob jeder Mensch eine starke Meinung zum Thema „Impfen“ hat, auch ohne das das notwendige Hintergrundwissen. Ob die Hausmauer des Eigenheims mit einem 38er oder 45er Ziegel gemauert werden soll, überlässt man gerne der Expertise des Baumeisters. Nicht so beim Impfen. Viele Eltern stellen sich die Frage: Soll ich mein Kind impfen?

impfen nein danke

Fakt ist: Die Impfung, ist neben dem Händewaschen und der Entdeckung der Antibiotika, wahrscheinlich die wichtigste Errungenschaft der Medizin.

Science works, bitches

Ob Impfen zu Autismus führt lässt sich ausgiebig diskutieren. Über diese mögliche Korrelation oder gar Kausalität lässt sich auch trefflich streiten. Wenn dann auch noch Fachfremde Menschen wie Jenny McCarthy diesen Connex seit Jahren lauthals verkünden und dadurch weniger geimpft wird, dann wird es jedoch Zeit, dass die Gesellschaft agiert.

Wissenschaft ist das Gegenteil von Glauben. Wissenschaft funktioniert. Wissenschaft ist nicht dogmatisch. Wissen wird verworfen, erweitert und entwickelt sich weiter. Flugzeuge fliegen. Impfungen verhindern tödliche Krankheiten. „Science works, bitches“ hat einmal der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins verkündet.

Um Therapien an Menschen, und in unserem Fall an Kindern, angedeihen zu lassen muss man (glücklicherweise) vorher beweisen, dass diese Therapien auch einen Mehrwert bringen und eine positive Wirkungen haben. Was in der Historie der Medizin nicht immer der Fall war und zu schrecklichen Entwicklungen, wie z.B. dem Contergan-Skandal, geführt hat.

Woher wissen wir das Imfpungen wirken?

Wissenschaftliche Studien, wie z.b. die sogenannte randomisiert-kontrollierte Studie, untersuchen die Wirksamkeit von Therapien. Hierbei wird eine Gruppe von Menschen, die möglichst homogen sein sollte, in zwei Gruppen geteilt. Gruppe A bekommt Medikament X und Gruppe B bekommt ein Placebo (oder eine bisherige Standardtherapie). Weder die Person, die die Medikamente verabreicht, noch der Patient wissen ob sie Medikament X oder Placebo bekommen (doppelblind). Die Zuteilung erfolgt nach dem Zufallsprinzip (randomisiert).

Je größer die Gruppe der Menschen, das sogenannte Kollektiv, desto eher werden statistische Fehler ausgeschlossen und die Aussagekraft eines Ergebnis steigt. Das hat sehr wichtige Implikationen.

Warum machen wir nun solche Studien und betreiben den Aufwand tausende Menschen zu vergleichen? Vielleicht lässt sich das wie folgt am besten erläutern. Sollte beim nächsten Familienbesuch das Thema „Krankheit“ aufkommen und eure Eltern einen weit entfernten Verwandte kennen,  der vor kurzem auf wundersame Weise von einer Krankheit geheilt wurde, ohne sich auf die „Schulmedizin“ zu verlassen, dann gibt es auf dieses Mysterium nur zweit Antworten:

  1. Einzelschicksale gibt es wie Sand and Meer und von diesen darf man auf nichts schließen
  2. Der Körper hat immense Selbstheilungskräfte

Durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer Fragestellung lässt sich die Spreu vom Weizen trennen. Dadurch nähert man sich einer Wahrheit an und muss vielleicht bisherige Annahmen verwerfen.

Nicht impfen ist asozial

Eine Population, also z.B. ein Land, kann man auch als Herde bezeichnen um sich einen Begriff aus dem Tierreich zu entlehnen. Um alle Individuen in der Herde zu schützen, muss nicht jedes einzelne Individuum geschützt werden. Wenn eine überwiegende Mehrheit einer Gruppe geschützt ist, dann sind dadurch alle geschützt. Dieses Konzept lässt sich auf viele Bereiche umlegen. Im Falle des Impfens wird dieser Begriff als Herdenimmunität bezeichnet.

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Eltern, die ihre Kinder nicht impfen, sind asozial. Sie profitieren von dieser Herdenimmunität. Eltern, die meinen, dass sie ihre Kinder nicht impfen müssen und dann mit ihren gesund-gebliebenen Kindern argumentieren den besten Beweis für diese Hypothese zu haben, machen sich den Schutz der Gruppe zu Nutze.

Was muss ich als Eltern nun beachten?

Die Impfdebatte scheint schier endlos zu sein. Es wird immer wieder Eltern geben, die diesem Thema sehr skeptisch gegenüber stehen. Sei es die „böse, rein Profit-orientierte Pharmabranche“, das Judentum oder andere Dinge, die Impfgegner sagen.

Dass nun Kinder wieder an Masern versterben und Diptherie-Infektionen auftreten ist sehr real. Kinder, deren Eltern sich entscheiden ihre Kinder nicht zu impfen, stellen eine Gefahr für andere Kinder dar. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig beim Beginn in einer Kinderkrippe oder Kindergarten zu fragen, ob eine Impfpflicht besteht oder ob alle Kinder geimpft sind. Diese Orte sind naturgemäß die häufigsten Plätze, wo Krankheiten übertragen werden.

Was außer Frage steht ist, dass es diskutabel ist welche Impfungen in welchem Alter passend sind. Diese Frage ist in einem solchen Artikel nicht zu beantworten, weil es eine wissenschaftlich-medizinische Frage ist. Welche Imfpungen zu welchem Zeitpunkt gegeben werden sollen, sollte immer unter Berücksichtigung der ganzen Lebenssituation entschieden werden. So ist es vielleicht nicht unbedingt nötig ein Kind in der Großstadt „Zecken zu impfen“.

Ein Problem der Oberschicht?

Eltern in Entwicklungsländern verlangen Händeringend nach Impfungen, um die Leben ihrer Kinder zu schützen. Die Impfskepsis ist eine Erscheinung oberer Bildungsschichten. Das ist erstaunlich und traurig zugleich. Die Leben ebendieser scheinen teilweise so gesättigt zu sein, um Zeit zu haben die elementarsten Grundsätze in Frage zu stellen. Man will ja anders sein.

Ein Zitat, das man sich merken sollte

In einer Ausgabe des Economist stand vor einiger Zeit ein Satz, der diese Entwicklung wohl am besten beschreibt: „The biggest problem of vaccination is its own success. People don’t know diseases anymore, that have been eradicated through vaccines.“

Das größte Problem der Impfung ist ihr eigener Erfolg. Die Menschen kennen die Krankheiten nicht mehr, die durch Impfungen ausgerottet wurden.

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Sind eure Kinder geimpft?

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4 Comments

  1. Velvet Puderzucker 18. Juni 2015 at 13:46

    Mein Sohnemann hat bei der ersten MUKI die 1. ROTA-Impfung erhalten und ich werde ihm alles nach Impfplan impfen lassen. Zu Impfreaktionen kann es IMMER kommen. Aber mir ist lieber der Sohnemann fiebert nach der Sechsfachimpfung ein wenig, als er ist durch Polio sein ganzes Leben eingeschränkt. Danke für deinen traumhaften Artikel/Blogeintrag. Und ja, es ist wahr, wir kennen Krankheiten (dank Impfungen!) kaum mehr. Da ich als Krankenschwester arbeite, kenne ich aber auch die Auswirkungen der (bereits ausgerotteten) Kinderkrankheiten. Und gerade Rotavirus haben wir oft auf Station, da könnte ich keine Nacht ruhig schlafen wäre mein Wunder nicht geimpft. Ich möchte auch nicht nachdenken müssen, ob mein Sohn Keuchhusten haben könnte! Und ich finde es eine bodenlose Frechheit Kinder nicht zu impfen. Masernausbruch? Danke, mein Sohn kann noch nicht immunisiert werden. Und wo sitzen die Eltern mit ihren Masernkindern? Beim Kinderarzt, wo man mit seinen nicht immunisierten Säuglingen auf die erste Impfung wartet. Im Kinderkrankenhaus, wo immunsuppremierte Kinder, die nicht geschützt werden können, sich anstecken. Leukämie und Masern? Todesurteil? Danke, lieber Impfgegner und wären es keine Kinder, würde ich euch die Kinderkrankheiten wünschen!

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    1. salonmama 18. Juni 2015 at 17:58

      Liebe Velvet Puderzucker :),

      hier ist Lukas, der Autor des Texts. Vielen Dank für dein Kommentar und deine Meinung in der Sache. Es ist ein extrem emotional behaftetes Thema und ich denke es wichtig für Eltern zu verstehen, dass Wissenschaft, und die Erkenntnis der Impfung ist nunmal ein Teil davon, einfach funktioniert.

      Viele Menschen betreiben „Cherry Picking“, d.h. einerseits besteigen sie ein Flugzeug, ein reines Produkt von wissenschaftlicher Erkenntnis, und im nächsten Moment lesen sie ein Horoskop. Entweder, oder….

      JEdenfalls ist das Thema ausgiebig zu diskutieren und ich mache ev. noch einen 2. ARtikel über diese Thematik.

      LG
      Lukas

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      1. salonmama 19. Juni 2015 at 9:23

        Weil’s dazu passt…

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  2. GAST 6. August 2017 at 22:50

    Ui, das ist aber auch ein sehr einseitiger, flachgehaltener Artikel. Warum gibt es denn keine Plattform, die sich mit BEIDEN Seiten beschäftigt.

    Die Frage „Woher wissen wir das Imfpungen wirken?“ ist in diesem Artikel überhaupt nicht beantwortet. Welche wissenschaftlichen Doppelblindstudien mit klarer homogener Kontrollgruppe belegen denn, dass die Impfung einen SCHUTZ VOR der Erkrankung bietet? Ein Anstieg des Antikörper-Titers kann mit einem Verhindern der Krankheitsauslösung nicht gleichgesetzt werden.

    Im Moment handelt es sich meiner Meinung nach nur um GLAUBEN. Bewiesen ist noch nichts.

    Vorallem würde mich aber interessieren, warum in einer Impfdosis für Babys auch Quecksilber, Formaldehyd, Aluminiumverbindungen, Zinn, Blei, Eisenoxid, Verunreinigungen aus Nährböden etc. enthalten sind? Warum werden immer wieder Impfstoffe zurückgerufen? Wo ist der Beweis, dass diese Inhaltsstoffe keine Impfschäden verursachen?

    Ich habe meine beiden Kinder impfen lassen, da ich mich informiert und von der Kinderärztin gut beraten gefühlt habe (allerdings schon damals lieber nur die 5-fach Impfung ohne Hepatitis B, aber alles auf einmal um weniger Zusatzstoffe in den Körper zu jagen). Und ich bin unheimlich froh und dankbar, dass (bisher) keines meiner Kinder eine Erkrankung durch die Impfung davongetragen hat. Ich würde mit meinem Wissen aus eigener Recherche heute keins meiner Kinder impfen.

    Bitte liebe Ärzte, gebt den Eltern alle Infos PRO und KONTRA einer Impfung, damit sie besten Gewissens eine lebenslang wichtige Entscheidung für das Wohl ihrer Kinder treffen können!!!

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