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SALON MAMA Business Lunch: Mit alten Mustern brechen – wie wir zukünftig arbeiten wollen

*In Zusammenarbeit mit Nutricia Milupa

29. Juni 2021

Wie ihr wisst tausche ich mich über Instagram Live-Chats, den SALON MAMA Couch Stories, regelmäßig mit interessanten Persönlichkeiten, vor allem Frauen, über viel Wissenswertes und spannende Inhalte aus. Dabei liegt mir alles rund um die Themen Mompreneurship bzw. Working Mom, Female Empowerment und Gender Equality besonders am Herzen. Gemeinsam mit Nutricia Milupa haben wir ein neues Format ins Leben gerufen und zwar das Special: Business Lunch. Bei diesen Live-Chats sprechen wir über alles, was uns in unserem beruflichen Weg beschäftigt und über Themen, die mit Ausbildung, Karriere und einer guten Work-Life-Balance zu tun haben. Das Ziel ist, dass ihr jeweils in dieser Stunde viel für euer Berufsleben mitnehmen könnt. Das erste Interview darf ich mit Nichole Duttine führen, Geschäftsführerin von Nutricia Milupa Österreich, zum Thema: Mit alten Mustern brechen – wie wir zukünftig arbeiten wollen und was wir aus Corona gelernt haben.

P.S.: Das gesamte Gespräch könnt ihr jederzeit auf Instagram TV salon.mama nachschauen. 

IM GESPRÄCH MIT Nichole Duttine

Nichole ist Mutter von zwei Kindern und seit 2019 Geschäftsführerin von Nutricia Milupa Österreich. Der Firmensitz befindet sich in Puch bei Hallein/Salzburg und Nichole ist verantwortlich für rund 75 MitarbeiterInnen. 

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USA, Deutschland, Schweiz und Österreich

Einleitend erzählt Nichole von ihrem Werdegang und wer sie dabei unterstützt hat. Nichole kommt ursprünglich aus den USA, hat in Deutschland studiert und hat dort auch ihren Mann kennengelernt. Der erste Arbeitgeber war P&G, wo Nichole rund 13 Jahre hauptsächlich im Marketing verbracht hat. Dann kam ihre erste Tochter zur Welt. Die kleine Familie ist nach Genf gezogen und ihr Mann ist in Elternzeit gegangen – deshalb gab es  auch schon recht früh die ersten „Reversed Roles“ Erfahrungen. Vor 8 Jahren hat Nichole dann zu Nutricia Milupa in Deutschland gewechselt, in den Vertrieb – ein Bereich im Business, der eher von Männern dominiert wird. Nichole ist mit ihrer Familie dann 2019 nach Salzburg gezogen um sich einer neuen Herausforderung als Geschäftsführerin von Nutricia Milupa Österreich zu stellen. Nichole hat schnell gelernt, dass Frauen sich nicht zwingend wie Männer „verhalten“ müssen, um erfolgreich zu sein. Sie ist überzeugt, wenn man Gleichberechtigung in einem Unternehmen vorlebt, dann merkt man, dass man zusammen viel erreichen kann. Damit sich Beruf mit Job vereinbaren lässt, hat sich die Familie für Unterstützung von einem Au Pair entschieden. Die beiden Mädels wurden zum Kindergarten und in die Schule gebracht, wenn sie krank waren, war immer jemand da und die Wäsche war bereits gemacht, wenn Nichole von der Arbeit nach Hause kam. So konnte sie abends die Zeit mit der Familie voll und ganz genießen. Trotzdem gab es immer wieder schwierige Phasen und viele schlaflose Nächte aber  am meisten hilft es, sich gut zu organisieren und in Unterstützung zu „investieren“. Das heißt man teilt die Verantwortung auf und vertraut darauf, dass die Kinder davon profitieren werden. Zudem glaubt Nichole nicht, dass man Super Woman sein muss – für den Kindergeburtstag reicht auch mal ein Kuchen vom Bäcker. 

Was ist das beste für die Familie?

Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, stellt einen vor diverse Herausforderungen. Wann und wie steigt man wieder in den Beruf ein, welches Arbeitsmodell, wer versorgt die Kinder uvm. Dabei betont Nichole, dass es wichtig ist zu verstehen, dass die Verantwortung für Kinder nicht allein bei den Frauen liegen sollte oder muss. Auch Väter können in Teilzeit gehen, d.h. man überlegt gemeinsam, was das Beste für die Familie ist. Womit wir auch auf die Themen Female Empowerment und Gender Equality zurückkommen – Themen, die nicht erst seit dem letzten Jahr durch „Corona“ neu aufgekommen sind. Corona hat aber mehr Bewusstsein dafür geschaffen und bewiesen, dass mehr Flexibilität funktioniert und besonders für berufstätige Eltern wichtig ist – für die MitarbeiterInnen selbst aber auch für das Business an sich. 

Nichole geht dabei auch auf ihre Rolle als Leader ein und bekräftigt, dass man auch als Führungskraft bereit sein sollte, neue Arbeitswege zu gehen oder zumindest auszuprobieren. Das heißt nicht, dass das Leben ein „wünsch dir was“ ist, sondern ein Geben und ein Nehmen. Das trifft auch auf das Thema Gender Equality zu. Für Nicole geht das in beide Richtungen – wenn ein Mann danach fragt, Teilzeit zu arbeiten oder flexibleren Arbeitszeiten möchte, damit er sich mehr um die Kinder kümmern kann und damit seiner Frau ermöglicht, weiter in ihre Karriere zu kommen – dann ja – gilt es natürlich genauso andersrum.

"Ich trenne meinen Job und die Familie stark. Lange Zeit wusste meine Familie gar nicht so genau, was ich eigentlich mache. Jetzt googlen meine Mädels mich manchmal und stellen fest: Wow Mama – du hast einen wichtigen Job..."

Organisation und Kommunikation sind das A&O

Nichole ist ein wahres Organisationstalent, deshalb hat sie bisher auch nur Vorgesetzte gehabt, die ihr gerne die benötigte Flexibilität gegeben haben, vor allem wenn es Ausnahmesituationen erfordert haben. Man sollte das natürlich nicht ausnutzen – aber ehrlich und transparent sein, wenn es mal sein muss. Das bedeutet wiederum: Kommunikation ist entscheidend. Themen, die einen sehr beschäftigen, sollte man einfach ansprechen – vor allem um zu vermeiden, dass man in seiner Position immer unglücklicher wird. Am Ende ist jeder eigenständig für seine Zukunft verantwortlich und, wenn wir wissen was wir wollen, ist es unser Recht und unsere Verantwortung es in die Hand zu nehmen. Auch Vorgesetzte können die Gedanken und Probleme der Mitarbeiter nicht lesen. Deshalb müssen vor allem auch Frauen mutiger sein, Dinge ansprechen und die Comfort Zone verlassen.

Und ja, es ist auch Nichole schon passiert, dass ich vor ihrem Chef stand und geheult hat, als alles etwas zu viel wurde. Der arme Kerl wusste dann auch nicht so recht, was er sagen sollte. Letztendlich ist das Leben ein Geben und ein Nehmen. Und in ihrem Job geht es darum, Ziele zu erfüllen und Ergebnisse zu liefern. Liefert man das, bekommt man automatisch mehr Flexibilität und Verständnis – auch wenn man mal heult! 

"Es kann nicht immer alles bei der Mama liegen, Job und Kinder - insbesondere im Lockdown. Die Männer sollten genauso ran."

lockdown: Herausforderungen & learnings

Vor etwas mehr als einem Jahr sind alle Nutricia Milupa-MitarbeiterInnen vom Standort Puch ins Homeoffice übersiedelt – man musste neue Wege finden, zu führen, sich weiterzuentwickeln und einander zu coachen. Sehr positiv war, dass sofort alle Mitarbeiter mit Technik ausgestattet, flexible Arbeitszeiten eingeführt und komplett auf Kurzarbeit verzichtet wurde. Damit war vor allem Mitarbeitern mit Kinderbetreuungspflichten sehr geholfen.

Dadurch, dass es viele langjährige MitarbeiterInnen gibt und auch großes Vertrauen herrscht, hat  Remote Working wirklich gut gekappt. Schwierig war es eher, zu schauen, dass nicht zu viel gearbeitet wird. Denn den klassischen Feierabend gibt es in dieser Form nicht, wenn man sowieso im Home-Office ist und der Laptop immer verfügbar ist. Was auch fehlt, sind die persönlichen Kontakte mit den KollegInnen, informeller Austausch von Infos, usw. Durch eine interne MitarbeiterInnen-Befragung hat Nichole gelernt, dass für die große Mehrheit der KollegInnen eine gute Mischung aus Home-Office und Büro-Zeit ideal wäre (z.B. 2-3 Bürotage).

Was Nichole besonders hervorhebt, ist, dass allen MitarbeiterInnen sehr wohl bewusst ist, was für eine große Verantwortung Nutricia Milupa gegenüber KundInnen, PatientInnen und Eltern hat. Wenn das Unternehmen bestimmte Produkte, wie etwa medizinische Spezialnahrung, nicht liefern kann, dann hat dies weitreichende Konsequenzen, da man teilweise der einzige Anbieter am Markt ist. Aber ein Arbeitstag muss deshalb nicht immer zwingend von 9-17 Uhr dauern. Natürlich muss es gewisse Erreichbarkeiten am Tag geben und manche Aufgaben und Prozesse müssen auch zu bestimmten Zeiten erledigt werden. Ansonsten ist es aber nicht wichtig, ob jemand mal später anfängt zu arbeiten und dafür abends länger macht oder sich zwischendurch um die Kinder kümmern muss. Es ist Nichole wichtig – auch weil es einen großen Anteil an weiblichen Mitarbeiterinnen bei Nutricia Milupa gibt – dass auch die Männer ihren Teil beitragen. Es kann nicht immer alles bei der Mama liegen, Job und Kinder – insbesondere im Lockdown. Die Männer sollten genauso ran.  

Angepasste Arbeitsmodelle aufgrund von Corona

Nichole sieht Gender Equality als wesentlichen Baustein für den Erfolg des Unternehmens. In den Bereichen, in denen es möglich ist, will sie mehr Flexibilität möglich machen und schaffen. Denn Nichole ist davon überzeugt, dass genau solche Modelle dabei unterstützen, die Geschlechtergleichstellung und Förderung von Frauen in Führungspositionen zu stärken. Beide Elternteile sollen gleichermaßen in der Lage sein, Betreuungspflichten zu übernehmen. Konkret wären das folgende Themen: Arbeitszeiten flexibler gestalten, Frauen in Teilzeit-Führungspositionen, Home Office Regelungen, aber auch die wichtige Option der Väterkarenz. Zudem sollten Unternehmen wissen, dass Vertrauen und Wertschätzung auch der Schlüssel zum Erfolg sein kann – dies kann auch dem Arbeitsklima zugutekommen.

fünf Tipps, die Unternehmen als Arbeitgeber jetzt umsetzen könnten oder auch sollten?
  1. Dem Stundenzählen die Bedeutung nehmen: Schlüssel zum Erfolg und ein wichtiges Zeichen von Vertrauen an die Mitarbeiter
  2. Home-Office für alle zur Normalität machen: einen Plan für eine faire Aufgabenverteilung innerhalb der Familie aufstellen 
  3. Auf die Gesundheit des Teams achten – auch im Home Office: animieren zu walk the talks, healthy cooking breaks, – aber auch im Büro für einen gesunden, ergonomischen Arbeitsplatz sorgen. 
  4. Eine gute Balance zwischen persönlichem und digitalem Austausch finden – funktionierende Technik ist natürlich Voraussetzung. Im Home Office: Bildschirmzeit gut dosieren, Pausen einplanen, klare Kommunikation zur Arbeitszeit und Erreichbarkeit normalisieren.
  5. Mit alten Mustern brechen und neue Arbeitswege gehen – neue Arbeitsmodelle fördernd die Flexibilität: Homeoffice, Job-Sharing, Vertrauensarbeitszeit, Teilzeitarbeit und Gleitzeitregelungen
was ist deine Vision für das Unternehmen, das du leitest?

Nutricia Milupa ist ein mittelgroßes Unternehmen mit ca. 75 Mitarbeitern und starken Wurzeln in Österreich. Gleichzeitig aber auch eine Tochtergesellschaft des globalen Lebensmittelkonzerns Danone – was wiederum den Arbeitsplatz so spannend macht, weil es durch diese Kombination unzählige Möglichkeiten gibt. 

Nichole möchte mit Nutricia Milupa, als moderner Arbeitgeber und Vorbild im Bereich „Wie wollen wir in Zukunft arbeiten?“ fungieren und ihre Visionen konsequent umsetzen. Es macht ihr auf jeden Fall wahnsinnig viel Spaß, diesen Weg gemeinsam mit einem großartigen Team zu gehen. 

Mir hat der Live-Chat mit Nichole wahnsinnig viel Spaß gemacht. Eine sehr interessante Frau mit wirklich modernen, zeitgemäßen Ansichten und Vorstellungen vom „Arbeiten der Zukunft“. Ich freue mich schon auf den nächsten Business Lunch mit vielen weiteren tollen Insights und Inspiration.

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