Mama Talks: Sarah „How I became your mother“

2002, lange bevor sie selber Mutter wurde, hat die Fotografin Pamela Rußmann begonnen, schwangere Frauen zu fotografieren. Seitdem porträtiert sie Jahr für Jahr in achtsam vorbereiteten und ausgeführten Fotoshootings eine Vielzahl von Frauen und hat nicht nur ein enorm umfangreiches Bildarchiv aufgebaut, sondern sich durch die Beschäftigung und die vielen Gespräche mit schwangeren Frauen auch inhaltlich intensiv mit den Veränderungen und emotionalen wie seelischen Ebenen auseinandergesetzt.

Exklusiv für Salon Mama hat die Fotografin & Journalistin Pamela Rußmann nun eine Reihe konzipiert, in der sie ihre bisherige Arbeit des Fotografierens von schwangeren Frauen um eine Ebene erweitert, nämlich: das Wort.

Im 10. Mama Talks interviewt und fotografiert Pamela Rußmann wie schon beim letzten Papa Talk keine Schwangere, sondern eine Mama, die über einen ganz besonderen Weg erzählt, der sie zur Mama gemacht hat. 

Salon Mama / MAMA TALKS / Februar 2018

Fotos & Interview: Pamela Rußmann

Feburar 2018

–         Vorname: Sarah

–         Alter: 35

–         Beruf: PR im Bereich Kunst und Kultur

–         Kind: Eloise

–         Alter: 10 Monate

–         Wohnort: Wien

–         Familienstand: ledig

–         Social Media: @how_i_became_your_mother

Liebe Sarah, ich bin über Instagram auf dich aufmerksam geworden, der Titel deines Accounts hat mich neugierig gemacht: „How I became your mother“. Dort dokumentierst du den Weg von deinem Kinderwunsch zum Kind und nun als alleinerziehende Mama. Und dieser Weg ist bei dir ein nicht alltäglicher: du hast dir über eine dänische Kinderwunschklinik eine Samenspende geholt. Erzähl doch mal, wie du auf diese Möglichkeit des Schwanger- bzw. Mutterwerdens gekommen bist!

Sarah: Seit ich denken kann, war mir immer klar, dass ich eines Tages Mutter werden möchte. Über das wann und wie habe ich lange Zeit nicht konkret nachgedacht. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, in Frage zu stellen, dass irgendwann ein Mann in mein Leben treten wird, mit dem ich eine Familie gründe. Mit Anfang 30 habe ich mir erstmals überlegt, was ich denn mache, wenn sich das nicht alles von selbst ergibt mit der Liebe, der Partnerschaft und der Familiengründung. Ich war zu dem Zeitpunkt schon ziemlich lange Single – immer mal wieder gab es jemanden in meinem Leben, aber die Beziehung war nie tief genug, um an gemeinsame Kinder auch nur zu denken. Das Singledasein an sich hat mich mal mehr mal weniger gestört, aber der Kinderwunsch war sehr präsent. Es war dann eine Verkettung von Zufällen, die mich auf die Möglichkeit hat aufmerksam werden lassen, auch ohne Partner an meiner Seite Mutter zu werden. Ich bin auf Blogs gestoßen, in denen Frauen – vor allem lesbische Paare – ihren Weg zum Wunschkind beschrieben haben, habe etwas recherchiert und die Ohren gespitzt, wenn in meinem Umfeld von Co-Elternschaft und Ähnlichem die Rede war. Es war für mich eine große Erleichterung, zu erfahren, dass es auch diese Möglichkeiten der Familiengründung gibt. Gleichzeitig bin ich auch auf Hindernisse gestoßen: In Österreich dürfen sich alleinstehende Frauen derzeit noch keiner Kinderwunschbehandlung unterziehen. Voruntersuchungen können zwar hier vor Ort vorgenommen werden, für die eigentliche künstliche Befruchtung muss man aber ins Ausland reisen, z.B. nach Dänemark oder Spanien. Ich habe dann zu einer Klinik in Kopenhagen Kontakt aufgenommen und einen ersten Beratungstermin vereinbart. Mir war nämlich in der Zwischenzeit klar geworden, dass mein Kinderwunsch größer war als der Wunsch nach einer Partnerschaft. Natürlich ist es etwas wunderbares, mit einem Menschen, den man liebt, gemeinsam ein Kind in die Welt zu setzen. Ich kann mir das durchaus auch weiterhin für mich vorstellen. Aber mit dem bereits sehr ausgereiften Wunsch nach einem Kind auf Partnersuche zu gehen, ist unter Umständen keine gute Voraussetzung für eine glückliche Beziehung. Ab dem Zeitpunkt, zu dem mir klar wurde, man kann den Wunsch nach einem Kind von der romantischen Liebe entkoppeln, wuchs diese Vorstellung in mir.

Hast du eine Pro & Contra-Liste erstellt? Was dafür, was dagegen spricht? Oder war das ein eindeutiges JA für diesen Weg?

Sarah: Es war ein eindeutiges JA und es gab auch keine Liste, obwohl ich sonst ein absoluter Listenfan bin. Der Plan, alleine ein Kind zu bekommen brauchte einige Zeit, um zu reifen. Zwischen den ersten vorsichtigen Gedankenspielereien und der ersten Insemination lagen mindestens eineinhalb Jahre. Ich habe mich intensiv damit auseinandergesetzt, was mich erwartet, was dieser Schritt bedeutet, welche Wendung er meinem Leben geben kann. Ich habe mir viele Fragen gestellt: Kann ich das alleine schaffen? Will ich das alleine schaffen? Kann ich es mir finanziell leisten? Was ist wenn dieses oder jenes passiert? Alleinerziehend zu sein ist eine besondere Herausforderung in vielerlei Hinsicht. Während die meisten Alleinerziehenden ungeplant in diese Situation geraten, hatte ich die Möglichkeit, mich schon vor Eintreten der Schwangerschaft darauf einzustellen und habe das auch getan.

Es hört sich jedenfalls alles recht aufwändig an, ständig die fruchtbaren Tage überwachen, Arzttermine, nach Kopenhagen fliegen zum richtigen Zeitpunkt, finanziell ist es auch eine Herausforderung…und noch dazu hat man ja keine Garantie, dass das Ei gleich beim 1. Versuch befruchtet wird. Wie haben deine Freunde und deine Familie darauf reagiert? Fanden die dich mutig oder egoistisch oder verrückt, oder haben die sich einfach mit dir gefreut, dass bald ein Baby im Haus sein wird?

Sarah: Während man sich in einer Kinderwunschbehandlung befindet – egal, ob als Paar oder alleinstehend – wird das vermutlich für jeden ganz automatisch zu einem zentralen Lebensthema. Hoffnung und Enttäuschung liegen da leider oft ganz nah beieinander. Bei mir hat erst die fünfte Insemination zur Schwangerschaft geführt. Das ist zwar durchaus innerhalb eines ganz normalen Rahmens, aber zwischenzeitlich hatte ich große Sorgen, dass es nicht klappen könnte. Man denkt irgendwann tatsächlich nicht mehr in Wochen und Monaten, sondern nur noch in Zyklusphasen. Die zusätzliche Belastung in meinem Fall, spontan pünktlich zum Eisprung nach Kopenhagen reisen zu müssen, machte es noch komplizierter. Meine Schwester und wenige sehr enge Freunde waren von Anfang an eingeweiht und haben mitgefiebert. Als ich – kurz bevor es dann endlich geklappt hat – auch meiner Mutter davon erzählt habe, war diese zunächst sehr besorgt. Sie liebt ihr Enkelkind inzwischen über alles, aber damals hatte sie Angst um mich und meine Zukunft.

Was mich ehrlich gesagt überrascht hat: dass du so jung bist. Vielleicht ist das ein Klischeebild, das ich im Kopf habe, aber Samenspende, da denke ich an alleinstehende Frauen 40plus, die mit dem Thema Beziehung für sich abgeschlossen haben, aber Muttersein erleben wollen. Hast du diese Reaktion oder dieses Fragezeichen bei Kollegen und Freunden auch erlebt? Im Sinne von, „mei, du bist ja noch jung, da kommt sicher noch der Richtige“…

Sarah: Diese Reaktion kam schon häufiger, ja. Ich glaube, dass es viele überrascht, wenn eine Frau die durchaus noch ein paar Jahre Zeit gehabt hätte, auf den „Richtigen“ zu warten, eben nicht wartet, sondern diesen Weg wählt. Die meisten gehen davon aus, dass künstliche Befruchtung mit Spendersamen nur eine Notlösung ist. Der letzte Schritt, den eine Frau erst dann geht, wenn ihre biologische Uhr abläuft oder aber sie generell entschieden hat, keine Beziehung mit einem Mann führen zu wollen. Beides trifft auf mich nicht zu und das sorgt sicher bei einigen für Irritation. Je besser Menschen mich kennen, umso eher verstehen sie jedoch in der Regel meine Entscheidung.

Nachdem du dich also entschieden hattest für eine Samenspende: wie sucht man den Spender aus? Welche Informationen bekommt man über den Mann? Sieht man ein Foto zb? Oder erfährt man wenigstens den Vornamen?

Sarah: Ich weiß vom Spender lediglich seine Haar- und Augenfarbe sowie seine Körpergröße. Es gibt aber unterschiedliche Optionen, einen passenden Spender zu finden. Manche Samenbanken geben gegen einen gewissen Aufpreis ein kleines Portfolio zum potentiellen Spender heraus. Dem kann man Beruf und Interessen des Spenders entnehmen. Auch ein Kinderfoto des Spenders wird manchmal zur Verfügung gestellt. Das hat mich alles nicht interessiert. Spontan hätte ich vermutlich einen Spender gesucht, der dem Typ Mann nahe kommt, den ich persönlich besonders attraktiv finde. Beim Erstberatungsgespräch mit meiner Klinik in Kopenhagen hat man mir aber dazu geraten, einen Spender zu wählen, der mir selbst in Bezug auf äußerliche Merkmale ähnlich ist. Offenbar fördert es die Bindung einer Mutter zu ihrem Kind, wenn es ihr optisch ähnelt. Inwiefern das tatsächlich zutrifft, weiß ich nicht. Ich war ehrlich gesagt froh, dass mir die Klinik mit diesem Ratschlag die Entscheidung abgenommen hat, welche Haar- und Augenfarbe der Spender haben soll. Ich wollte einfach ein Kind bekommen, ohne mir über solche Äußerlichkeiten – von denen im übrigen ja ohnehin nicht gesagt ist, dass sie sich beim Kind wiederfinden – Gedanken zu machen. Um auszuschließen, dass es aufgrund genetischer Gründe wiederholt nicht zur Befruchtung kommt, wird übrigens bei mehrmaligen Versuchen empfohlen, den Spender zu wechseln, was ich auch getan habe. Ein Gesundheitscheck wird bei allen Spendern durchgeführt, ebenso wird eine Vorbelastung in Bezug auf einige Erbkrankheiten ausgeschlossen.

Ich hab mir versucht vorzustellen, wie die Situation in der Klinik ist, wenn man dann endlich mit dem reifen Ei im Körper in Kopenhagen sitzt: ist das ähnlich romantisch wie eine Blutabnahme im Labor um die Ecke? Oder wird dort versucht, ein liebevolles, warmes Ambiente herzustellen?

Sarah: In meiner Klinik in Kopenhagen herrschte eine sehr entspannte Stimmung. Die Einrichtung war wirklich schön, die Mitarbeiterinnen wahnsinnig nett und einfühlsam – mit dem Labor um die Ecke hatte das alles zum Glück wenig gemeinsam. Obwohl dort hinter den Kulissen sicher manchmal unter Druck gearbeitet wird – schließlich ist bei künstlicher Befruchtung das richtige Timing entscheidend – hat man sich immer viel Zeit für mich genommen, ist auf alle Fragen und Sorgen eingegangen.

Mit wem hast du in der Schwangerschaft signifikante Momente wie „erste Kindsbewegung“ usw. geteilt?

Sarah: Ganz besonders involviert waren meine Schwester und meine Eltern. Vermutlich habe ich in Ermangelung eines Partners aber auch meine Freunde sehr ausführlich mit einbezogen, was diverse Veränderungen meines Körpers und die Kindesentwicklung angeht.

Hattest du eine Vertrauensperson bei der Geburt dabei?

Sarah: Meine Mutter war bei der Geburt meiner Tochter dabei. Sie hat die letzten drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bereits bei mir gewohnt, um vor Ort zu sein, wenn es losgeht und mich anschließend auch im Wochenbett zu unterstützen. Neben meiner Hebamme war sie im Kreißsaal die ganze Zeit an meiner Seite. Dass wir diesen besonderen, einmaligen Moment miteinander geteilt haben, hat unsere Beziehung enorm gestärkt.

Jetzt, wo deine Kleine noch ein Baby ist, kannst du das Thema Vater ja noch gut ausblenden. Aber wie bereitest du dich auf den Moment vor, wenn deine Tochter nach ihrem Papa zu fragen beginnt? Was ist, wenn sie ihn kennen lernen will? Ginge das überhaupt?

Sarah: Ich habe vor, von Anfang an sehr offen mit dem Thema umzugehen. Sobald Eloise nach ihrem Papa fragt, möchte ich versuchen, ihr auf kindgerechte Weise zu erklären, wie sie entstanden ist. Ich stelle mich darauf ein, dass es für sie nicht einfach sein wird, das zu verstehen. Es gibt bereits Literatur zum Thema, mit der ich mich beschäftigt habe und auch ein erklärendes Kinderbuch habe ich gefunden. Im Zweifelsfall werde ich mir zusätzlich bei einer Familienberatungsstelle Rat holen. Der Samenspender hat einer offenen Spende zugestimmt. Das bedeutet, dass Eloise ihn über die Samenbank kontaktieren kann, wenn sie volljährig ist. Ich befürchte allerdings, dass diese Aussicht für ein kleines Kind zunächst unbefriedigend ist. Letztlich kann ich nur hoffen, dass es mir gelingt, meiner Tochter zu vermitteln, wie sehr ich sie mir gewünscht habe, und dass es sie nicht geben würde, wenn ich mich nicht für die Samenspende entschieden hätte.

Wie schätzt du das ein: wird dieser Weg, ein Kind zu bekommen, für immer mehr Frauen eine denkbare Alternative?

Sarah: Auch in Zukunft werden Frauen sicher nicht scharenweise nach Dänemark pilgern, um sich dort ihren Kinderwunsch allein zu erfüllen. Für einzelne ist es aber eine Option, die aktuell auf Grund der Gesetzeslage in Österreich und natürlich auch der damit verbundenen Stigmatisierung nur wenigen überhaupt bewusst ist. Da ist die Hemmschwelle sehr hoch, was sich aber langfristig ändern wird, denke ich. Generell wird das klassische Familienmodell, bestehend aus Vater-Mutter-Kind, zukünftig sicher häufiger zugunsten anderer Konstellationen in Frage gestellt werden. Die gelebte Familien-Realität sieht doch auch jetzt schon ganz anders, nämlich viel bunter, aus. Ein-Eltern-Familien, Regenbogenfamilien, Patchwork-Familien, Co-Elternschaft – es wäre wünschenswert, wenn hier gedanklich nicht mehr in gute und richtige und weniger gute oder gar falsche Familien unterteilt würde.

Vielen Dank, Sarah, für deine Gastfreundschaft und alles Gute euch beiden!

Papa Talks – „Ja, und ich kann mich noch an viele Details erinnern, schön war´s!“

Was Mütter wollen, wünschen, fühlen, denken – das haben wir in den letzten Jahren ausführlich unter die Lupe genommen. Aber wie sieht es mit den Vätern aus? Was wollen die moderne Männer? Wollen sie anders sein als die Generationen vor ihnen? Möchten sie lieber eine sanfte statt einer steilen Karriere zugunsten von mehr Quality Time mit der Familie? Wie finden sie es, wenn die Mutter ihrer Kinder bald nach der Geburt wieder in den Job zurückkehrt? All diesen Fragen widmet sich unsere Autorin & Fotografin Pamela Rußmann in ihrer neuen Serie „PAPA TALKS“.

PAPA TALKS No.1

Fotos & Text: Pamela Rußmann / September 2017

Eckdaten des Papas:

– Vorname: Harald

– Alter: 43

– Beruf: Optiker

– Wie viele Kinder und in welchem Alter: zwei Mädchen (3 und 9 Jahre alt)

– Wohnort: Wien

– Familienstand: verheiratet

 

Lieber Harald, du bist Papa von zwei Mädchen im Alter von 3 und 9 Jahren. Mit so jungen Töchtern ist natürlich immer was los. Welche Themen beherrschen momentan den Alltag?

So lange jedes Rädchen in sich greift, funktioniert unser Alltag sehr stimmig. Fällt einer von uns aus, beginnt man zu jonglieren. Irgendwie funktioniert es glücklicherweise dann doch immer wieder. Unsere momentanen Themen sind 4.Klasse Volksschule, das heißt erstmalig Noten, und die Suche nach einem – wahrscheinlich – Gymnasium. Und die Kleine kommt von der Krippe in den normalen Kindergarten, aber sie will nicht 😉

Bevor deine erste Tochter auf die Welt gekommen ist: hast du dir Gedanken gemacht, welche Art von Papa du sein möchtest? Was erschien dir als wichtige Eigenschaft, die ein Vater, so wie du ihn dir vorstellst, mitbringen oder anstreben soll?

Für mich war es wichtig: wenn ich einmal Kinder habe, dann will ich mich gleichwertig um sie kümmern und sie nicht nur am Wochenende sehen. Deshalb war ich auch acht Monate in Karenz und arbeite seit dieser Familienauszeit auch nur mehr 30 Stunden die Woche. Die wichtigste Eigenschaft aus meiner Sicht ist ein liebevoller und verständnisvoller Umgang mit ihnen, auch wenn man oft an seine Grenzen stößt…

Als werdender Vater ist man naturgemäß in der Schwangerschaft ein bissl außen vor – aber wie war der Moment, als du das erste Mal deine Töchter gesehen hast im Krankenhaus? Kannst du dich noch erinnern, wie sich das für dich angefühlt hat?

Ehrlich gesagt war ich bei der Geburt meiner ersten Tochter etwas überfordert. Ich war ein bisschen wie in Trance und brauchte meine Zeit, um zu realisieren, dass ich jetzt die Verantwortung für ein Menschenleben habe. Dafür liebe ich sie jetzt umso mehr. Bei der Geburt meiner zweiten Tochter war es viel emotionaler. Ich war schon reifer diesbezüglich und es war ein unbeschreiblicher Moment. Wir waren uns von Anfang an sehr nahe!

Warst du bei den Geburten dabei?

Ja, und ich kann mich noch an viele Details erinnern, schön war´s!

Ganz ehrlich: Wäre es auch eine Option gewesen zu sagen, „nein, direkt dabei sein will ich nicht, ich warte lieber vor dem Kreißsaal“? Oder hast du daran gar nicht gedacht?

Nein, das wäre für mich nie eine Option gewesen. Unsere absoluten Wunschkinder endlich aus dem Bauch schlüpfen zu sehen, das war schon ein magischer Moment – aber irgendwie auch surreal.

Wie hat sich dein Blick auf deine Frau verändert, deren Aufmerksamkeit du ja nun mit den beiden Kindern teilen musst?

Ich finde, dass sie jeden Tag eine Höchstleistung erbringt mit Arbeit, Kindern und Haushalt. Trotzdem schaffen wir es, glaube ich, sehr gut, die Zweisamkeit nicht zu kurz kommen zu lassen. Ich verliebe mich immer wieder aufs neue in meine Frau, und ich verstehe auch Männer nicht, die auf ihre Kinder eifersüchtig sind, weil diese vielleicht mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Babys bzw. Kinder generell bewirken bei Vätern mitunter, dass sie den Zugang zur eigenen Emotionalität wieder entdecken oder vertiefen. Wie hat dich die Vaterschaft verändert?

Ich bin schon ein sehr emotionaler und gefühlsbetonter Mensch, vielleicht ein „untypischer“ Mann. Was die Vaterschaft jedoch sicher verändert hat, ist, dass ich noch verletzlicher wurde bzw. Angst davor habe, dieses wunderschöne Leben irgendwann einmal zu verlieren. Hoffentlich dauert es noch ganz lange!

Ganz ehrlich: in einer Wohnung mit so viel weiblicher Energie – in welchen Momenten wünschst du dir mehr Verständnis für deine Interessen?

Ehrlich gesagt liebe ich diese weibliche Energie! Am Anfang dachte ich mir, ein Bub, der meine Begeisterung für Fußball teilen würde, wäre auch nicht schlecht. Mittlerweile kann ich sogar beide Mädchen a bissl für meine Lieblingsmannschaft begeistern. Und eigentlich bin ich ein Mädchenpapa oder man kann auch sagen: Frauenversteher 😉

Gibt es Spiele oder Aktivitäten, die die Mädels lieber mit dir machen als mit der Mama?

Fußball schauen.

Mütter tauschen sich – wie wir wissen – gern am Spielplatz aus, erörtern Fragen vom besten Kinderarzt bis zu Ernährungstipps, klagen einander vielleicht auch ihr Leid – aber wie ist das bei den Papas? Wo und wie tauschen die sich aus? Was machst du in Phasen, in denen man nicht genau weiß, wie tun mit dem Nachwuchs?

Mit anderen Vätern rede ich nicht so intensiv über Kinderthemen. Vielleicht kenne ich die falschen. Ich unterhalte mich über Kinder ausführlicher eher mit Müttern.

Wie sieht euer Familienzeit/Arbeitszeit-Modell aus? Für welche Aufteilung habt ihr euch entschieden?

So viel gemeinsame Zeit verbringen wie möglich. Wir alle vier! Wir teilen uns die Kinderbetreuung so auf, dass meine Frau und ich je 30 Stunden pro Woche arbeiten können. Ab und zu müssen Oma und Opa einspringen, und ein Kurzurlaub mit meiner Frau und mir – nur wir zwei allein – geht sich auch manchmal aus, aber am liebsten sind wir eh immer alle zusammen!

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für den Schul- bzw. Kindergartenstart!

Mama Talks: Kathrin und ihr Weg von der Stadt ins Grüne

2002, lange bevor sie selber Mutter wurde, hat die Fotografin Pamela Rußmann begonnen, schwangere Frauen zu fotografieren. Seitdem porträtiert sie Jahr für Jahr in achtsam vorbereiteten und ausgeführten Fotoshootings eine Vielzahl von Frauen und hat nicht nur ein enorm umfangreiches Bildarchiv aufgebaut, sondern sich durch die Beschäftigung und die vielen Gespräche mit schwangeren Frauen auch inhaltlich intensiv mit den Veränderungen und emotionalen wie seelischen Ebenen auseinandergesetzt.

Exklusiv für Salon Mama hat die Fotografin & Journalistin Pamela Rußmann nun eine Reihe konzipiert, in der sie ihre bisherige Arbeit des Fotografierens von schwangeren Frauen um eine Ebene erweitert, nämlich: das Wort.


In unserem neunten Interview der Mama Talks Reihe steht diesmal Kathrin, die Gewinnerin unseres MAM Gewinnspieles, vor der Kamera von Pamela Rußmann.

Salon Mama / MAMA TALKS no.9

Fotos & Interview: Pamela Rußmann

März 2017

–         Vorname: Kathrin

–         Alter: 29

–         Beruf: Bankangestellte

–         Wievieltes Kind: 1

–         Fotos aufgenommen in der 34. Schwangerschaftswoche

–         Wohnort: Gerasdorf bei Wien (Kapellerfeld)

–         Familienstand: glücklich vergeben

 

Liebe Kathrin, herzliche Gratulation zum Gewinn beim MAM-Salon Mama-Gewinnspiel. Ich freu mich sehr, heute bei strahlendem Sonnenschein mit dir Fotos zu machen! Wir sind hier in eurem frisch bezogenen Haus am nördlichen Stadtrand von Wien – der Blick geht ins Grüne, eine kleine Siedlung, sehr ruhige, idyllische Gemeinde. War das eine bewusste Entscheidung von euch, euer Kind „am Land“ und nicht in der hektischen Großstadt aufwachsen zu lassen?

Als mein Freund und ich nach einem geeigneten neuem Zuhause für uns gesucht haben, waren wir uns bereits einig, dass wir lieber ein wenig außerhalb von Wien ins Grüne ziehen möchten. Eben auch unter dem Augenmerk, eine Familie gründen zu wollen. Von unserem Bauchzwerg haben wir einen Tag vor Vertragsunterzeichnung erfahren, was unseren Entschluss etwas außerhalb zu wohnen nur noch bestärkt hat.

Mit welchem Satz würdest du deine Schwangerschaft bis jetzt beschreiben?

Eine für mich einmalige Zeit, die bis dato unbeschwerlicher als gedacht abgelaufen ist.

Mama Talks - MAM Gewinnspiel - Salon Mama

Mama Talks - MAM Gewinnspiel - Salon Mama

Manche Frauen erleben, dass man durch den Babybauch ein bissl zum „Allgemeingut“ wird – es werden ungefragt Ratschläge erteilt zu Themen wie Kindererziehung oder Ernährung, von Verwandten oder auch komplett Fremden,  oder es wird der Bauch betatscht – empfindest du das auch so? Und wie reagierst du darauf?

Natürlich erhält man von allen Seiten Ratschläge, wie man am besten mit dem Nachwuchs umzugehen hat. Da das Thema „Baby“ für mich absolutes Neuland ist, habe ich jedoch für mich passende Tipps auch gerne angenommen bzw. mir auch zu gewissen Themen Ratschläge eingeholt. Wie ich wirklich mit den Ratschlägen umgehe, kann ich erst in ein paar Monaten sagen 😉 

Wie bereitest du dich vor auf die Zeit mit Baby? Ich hab gesehen, das Kinderzimmer ist schon ziemlich fertig eingerichtet! Ist das der berühmte Nestbautrieb?

Am Beginn meiner Schwangerschaft habe ich mir vorgenommen, ganz viel Literatur zum Thema Geburt sowie Zeit mit dem Baby danach zu verschlingen. Jetzt bin ich in der 34. SSW und habe nicht ein Buch zu Ende gebracht 😉

Meine Vorbereitung beruht somit auf Ratschlägen von Freunden, Familienmitgliedern und Bekannten, die bereits Eltern sind. Einen zweitägigen Geburtsvorbereitungskurs – den ich übrigens jeder „Neu-Schwangeren“ sehr ans Herz legen kann – haben wir dennoch besucht, wie auch eine Hebamme für nach der Geburt gesucht. Die Einrichtung des Kinderzimmers war für mich natürlich auch eine gewisse Vorbereitung, um mich mit den zukünftigen Bedürfnissen unserer Tochter auseinanderzusetzen.

Wie stehst du zu Schwangerschaftsmode? Ziehst du dich jetzt mit Kugelbauch anders an als vorher? Abgesehen natürlich von einer gewissen Kleidergrößenvergrößerung 😉

Schwangerschaftsmode und vor allem Schwangerschaftshosen finde ich ganz toll. Gerade im Hinblick auf Schwangerschaftshosen spiele ich mit dem Gedanken, diese für die nächste Wintersaison ohne Kugel aufzubewahren – da sie einfach mega bequem sind und Bauch und Nieren schön warm halten. Ansonsten hat sich mein Kleidungsstil nur dahin geändert, dass es einfach bequem sein muss. Pumps und enge Kleidungsstücke wurden ganz nach hinten in den Kasten verbannt. 

Mama Talks - MAM Gewinnspiel - Salon Mama

Mama Talks - MAM Gewinnspiel - Salon Mama

Wie nimmst du die Veränderung deines Körpers wahr? Mit Freude oder Skepsis?

Als das Bäuchlein kontinuierlich gewachsen ist, habe ich mich natürlich darüber gefreut. Man erkennt für einen selbst den Fortschritt der Schwangerschaft, und auch die Vorfreude über den Bauchzwerg wird mit zunehmendem Bauch immer größer. Nichtsdestotrotz hofft man natürlich, von Dehnungsstreifen und zu viel dazukommenden Pfunden verschont zu bleiben. 

Für welches Karenzmodell habt ihr euch als Paar entschieden?

Wir haben uns für das einkommensabhängige Karenzmodell entschieden. Somit werde ich 12 Monate zu Hause bleiben und mein Freund anschließend noch zwei Monate.

Hast du es als kompliziert empfunden, dich mit deinem Partner abzustimmen oder war schnell klar, wie ihr das handhaben werdet?

Für uns war es eigentlich von Anfang an klar, dass wir das einkommensabhängige Karenzmodell wählen werden. Aufgrund unseres erst erfolgten Hauskaufes sind natürlich gewisse finanzielle Verpflichtungen vorhanden, die mit einem anderen Modell bzw. auch dem Kindergeldkonto nicht tragbar wären.

Du fällst ja mit deinem Geburtstermin bereits in das neue Kindergeldkonto-Gesetz, das ab 1.3.17 gilt. Wie hast du dich informiert, welche Möglichkeiten es gibt? Musstest du lang recherchieren und herumrechnen? Wobei das in deinem Fall ja sogar dein Kompetenzbereich ist als Mitarbeiterin einer Bank, oder?

Natürlich hat man sich informiert, was das Gesetz für Neuerungen mit sich bringt. Ich finde, im Internet sind die Informationen dazu sehr gut aufbereitet, also war es für mich nicht sonderlich kompliziert.

Wäre es auch eine Option für dich gewesen, komplett in die Rolle Hausfrau und Mutter zu wechseln?

Komplett in die Rolle der Hausfrau und Mutter zu schlüpfen, ist für mich nicht vorstellbar. Nicht nur, dass mir mein Job zu viel Spaß macht, sondern dass ich auch gerne unter Menschen kommen und eine gewisse geistige Herausforderung brauche.

Befürchtest du, dass sich mit Baby der Freundeskreis, das soziale Leben verändern könnte? Oder hast du es vielleicht schon erlebt, dass sich Freundschaften durchs Kinderkriegen verändert haben?

Da ich in meinem Freundeskreis die erste bin, die ein Baby erwartet, kann ich das noch gar nicht wirklich einschätzen. Da die meisten meiner Freunde jedoch schon jahrelang an meiner Seite sind, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie sich zB jetzt aufgrund des Babys von mir abwenden würden. Im Gegenteil: vor allem meine Freundinnen haben die gesamte Schwangerschaft sehr mit mir mitgefiebert. Dass man natürlich mit Baby nicht mehr so flexibel wie davor ist, ist sowohl ihnen als auch mir bewusst,

Liebe Kathrin, danke für das Gespräch! Und alles Gute für die Geburt!

In freundlicher Zusammenarbeit mit MAM

Mama Talks: Sabrina – über Ihren Alltag als Krisenpflegemama

2002, lange bevor sie selber Mutter wurde, hat die Fotografin Pamela Rußmann begonnen, schwangere Frauen zu fotografieren. Seitdem porträtiert sie Jahr für Jahr in achtsam vorbereiteten und ausgeführten Fotoshootings eine Vielzahl von Frauen und hat nicht nur ein enorm umfangreiches Bildarchiv aufgebaut, sondern sich durch die Beschäftigung und die vielen Gespräche mit schwangeren Frauen auch inhaltlich intensiv mit den Veränderungen und emotionalen wie seelischen Ebenen auseinandergesetzt.

Exklusiv für Salon Mama hat die Fotografin & Journalistin Pamela Rußmann nun eine Reihe konzipiert, in der sie ihre bisherige Arbeit des Fotografierens von schwangeren Frauen um eine Ebene erweitert, nämlich: das Wort.


In unserem achten Interview der Mama Talks Reihe steht diesmal keine schwangere Frau im Rampenlicht. Pamela spricht mit der 45 jährigen Sabrina, selbst Mutter einer Tochter, über Ihren Alltag als Krisenpflegemama. Über Herausforderungen und Ihre Herzensangelegenheit Kindern in Not zu helfen.

Eckdaten:

  • Name: Sabrina
  • Alter: 45
  • Beruf: selbständig
  • Kinder: 1 Tochter
  • Wohnort: Wien

 

Liebe Sabrina, ich freue mich sehr, heute bei dir zu sein. Üblicherweise besuche ich für diese Reihe schwangere Frauen kurz vor der Geburt. Und obwohl hier nur eine Tochter sitzt, mit Buntstiften zeichnet und Kuchen isst und du auch ganz offensichtlich keinen Babybauch hast, hast du trotzdem in den letzten vier Jahren zwölf Mal eine andere Art von “Geburt” erlebt – als Krisenpflegemama. Ich kannte diesen Begriff bis vor kurzem gar nicht, also ich wusste, was Pflegeeltern sind – aber was genau sind Krisenpflegeeltern und was unterscheidet sie von Pflegeeltern oder Adoptiveltern?

Wenn es Probleme in der Familie gibt und ein Kind schnell einen sicheren Platz braucht, dann springen wir ein! Krisenpflege ist Abklärungszeit. D.h. in der Zeit, in der das Kind bei mir ist, klärt das zuständige Jugendamt, ob das Kind wieder zurück in die Familie kann oder zu Langzeitpflegeeltern kommt. Der Unterschied ist schnell erklärt: auch wenn es für beide eine Herzensangelegenheit ist, sind sie unterschiedlich motiviert. Als Krisenpflegemutter möchte ich schnell zur Stelle sein und Kindern helfen. Langzeitpflegeeltern möchten auch Kindern ein sicheres Zuhause geben, darüber hinaus besteht hier noch ein Kinderwunsch – also der Wunsch ein Kind auf Dauer bei sich aufzunehmen und groß zu ziehen!

Wie bist du Krisenpflegemama geworden? Was war bei dir der ausschlaggebende Moment, diesen Weg einzuschlagen?

Manche Entscheidungen im Leben trifft man sofort und aus dem Bauch heraus. Als ich das erste Mal davon gehört hatte, dass es in Wien Krisenpflegefamilien gibt, war mir in der Sekunde klar, dass ich diesen Weg gehen möchte. Ich wusste so gut wie gar nichts über die Aufnahmebedingungen oder Konditionen. Aber mir war klar, dass ich das machen werde und so war es dann auch. Ich habe einfach gespürt, dass ich da richtig bin. Ein Gedanke, der mich von Anfang an begleitet ist der, dass ich die Hoffnung habe, wenn die Kinder eine gute Zeit bei uns erleben, können sie das vielleicht irgendwo in ihren kleinen Seelchen speichern, dass es noch Orte gibt, an denen die Welt in Ordnung ist und wo sie sicher sind. Wenn sie das später auch als Ressource abrufen können, ist das viel wert!

Ich habe das erste Mal auf Ö1 in einer Reportage von dieser besonderen Form von Elternschaft gehört und war extrem berührt von den Schilderungen der Familien, die das teilweise seit vielen Jahren machen, wie viel Liebe in ihren Worten war für die Babies, die manchmal aus herzzerreißenden Umständen kommen und den leiblichen Eltern abgenommen werden müssen. Was erfährst du vom Amt über die Säuglinge und Kleinkinder? In welchem Zustand übernimmst du sie?

Alles beginnt mit dem Anruf. Meistens eine knappe Stunde bevor das Kind kommt. Im besten Fall stehe ich da gerade im Supermarkt und kaufe ein. Es läuft in etwa so ab:” Liebe Frau Limbeck, wir haben ein Kind für sie. Ein Junge, 4 Monate alt. Eltern sind beide drogensüchtig und nicht in der Lage, das Kind ausreichend zu versorgen. Können Sie das Kind in einer Stunde übernehmen?” Dann schnapp ich mir noch Windeln und Babynahrung, fahre nach Hause und richte alles her, was ich so in einer Stunde schaffe. Ich suche vor allem schon mal Kleidung raus in der üblichen Größe für das Alter, koche Wasser ab, damit ich gleich füttern kann – denn meistens sind sie hungrig. Dann warte ich aufgeregt! Wenn das Kind da ist, nehme ich es sofort in den Arm – auch die Größeren; wenn sie es zulassen, heiße es herzlich willkommen, tausche mich noch mit der Sozialarbeiterin aus, die das Kind gebracht hat und versuche noch möglichst viele Informationen zu erhalten. Oft sind die Abnahmesituationen eher dramatisch und die Kinder haben nichts bei sich. Einmal habe ich ein Kind im Schlafanzug übernommen, völlig verschmutzt, aber vor allem traumatisiert, weil bei der Abnahme die Cobra dazu geholt warden musste.

Wie wird man auf diese Tätigkeit vorbereitet? Wird man da auch einem psychologischen Check unterzogen? Nur weil man selber Mama ist, heißt das ja nicht, dass man mit einem fremden Kind umgehen kann, dessen Vorgeschichte man nicht weiß und das tage- und nächtelang brüllt…

Das Referat für Adoptiv-und Pflegekinder hat ein sehr gutes Schulungskonzept. Es dauert ca ein halbes Jahr, bis man die Bewilligung in den Händen hält. Im Kurs werden alle möglichen und unmöglichen Szenarien thematisiert und die TeilnehmerInnnen an die Aufgabe sehr selbstreflexiv herangeführt. Wie man dann tatsächlich mit tagelangem Schreien umgeht, muss man dann schon selbst rausfinden. Ich hatte schon ein Schreibaby, das wirklich 8 Wochen durchgeschrien hat – auch nachts. Da war ich schon richtig am Ende – das haben auch die Sozialarbeiterinnen gesehen und sofort gefragt, ob ich einen Krisenwechsel brauche. Zum Glück war es nach 8 Wochen vorbei und das Baby konnte sich endlich entspannen, hat dann sogar durchgeschlafen und auch ich konnte mich erholen. Wir können, dürfen und sollen über alles reden – das ist sehr wichtig! Keine von uns muss Heldin spielen und es ist ok, wenn man mal nicht mit einem Kind zurecht kommt. Aber die schwierigste Zeit sind die ersten zwei Wochen, danach spielt sich in der Regel alles gut ein. In der Anfangszeit schreien und weinen fast alle Kinder. Sie brauchen viel Sicherheit. Wenn sie erst mal Vertrauen gefasst haben, beginnt der schöne Teil der Krisenpflege. Sie machen große Sprünge in der Entwicklung, sind fröhlich und ausgeglichen.

Du hast selber eine Tochter im Volksschulalter – wie sieht sie die wechselnden “Geschwister”? Und sind auch weitere Familienmitglieder involviert, wie Opas und Omas, Onkel und Tanten, oder dein Freundeskreis?

Meine Mutter springt immer wieder mal ein, auch Nachbarn und Freunde helfen, wenn ich mal meine Tochter wegen der Termine in der Krisenpflege unterbringen muss. Ohne soziale Ressourcen ist es nicht machbar. Für meine Tochter ist es bestimmt wichtig für ihre soziale Kompetenz, auch wenn sie sich auf unsere Auszeiten freut, weil wir dann Dinge gemeinsam machen, die wir mit den kleinen Gästen nicht machen können. Diese Auszeiten genießen wir beide sehr. Sie behandelt jedes Kind, wie ein neues Familienmitglied und hat schon im Kindergarten erzählt, dass sie Krisenpflegeschwester ist! Sie hat früh verstanden, dass es eine gemeinsame Aufgabe ist.

 

Dürfen die leiblichen Eltern das Kind eigentlich sehen? Wie läuft so ein Besuch ab?

In der Abklärungszeit/Krisenpflege sind wöchentliche Besuchskontakte im RAP (Referat für Adoptiv-und Pflegekinder) vorgesehen. Hier können die leiblichen Eltern eine Stunde pro Woche in den dafür vorgesehenen Räumen mit den Kindern spielen. Diese Besuchskontakte sind begleitet von einer Sozialarbeiterin, die die Interaktion beobachtet. Auch ich bin teilweise dabei, um Fragen der Eltern zum Kind zu beantworten.

Und wie geht es dir, wenn du auf die Menschen triffst, deren Baby du betreust? Wie reagieren sie auf dich?

Das erste Zusammentreffen ist immer sehr emotional – für alle Beteiligten. Die Eltern geben dem Jugendamt die Schuld, weil sie ihnen ihr Kind wegnehmen. Wir Krisenpflegeeltern sind da eher wie “die Schweiz” – wir kümmern uns ja nur um ihr Kind und werden selten als Konkurrenz gesehen. Mir tun fast alle betroffenen Eltern leid und ich verurteile sie nicht, weil sie selbst so bedürftig sind oder auch in ihrer Kindheit nicht gelernt haben, was es heißt, auf die Bedürfnisse eines Kindes einzugehen. Dieser Zugang überrascht mich selbst immer wieder und oft konfrontieren mich andere Menschen damit, dass es doch zu verurteilen ist und jeder Mensch die Verantwortung für sein Handeln trägt. Das ist völlig richtig, aber wenn man diese Eltern sieht und kennen lernt, bleibt einfach nur Mitgefühl. Natürlich heißt das nicht, dass Kinder bei ihren Eltern bleiben sollen, weil sie selbst so arm sind. Hier geht es schon und ausschließlich um das Wohl der Kinder, und wenn die Eltern es nicht schaffen, dann gibt es die Langzeitpflege.

Ihr müsst euch ja nach einer gewissen Zeit von dem Kurzzeitfamilienmitglied wieder verabschieden, weil es entweder zurück zu den leiblichen Eltern darf oder eine fixe Pflegefamilie erhält. Ich weiß, du siehst das als deine Arbeit an – aber trotzdem ist es ein Abschied von einem kleinen Menschen, mit dem man sehr viel Zeit verbracht hat, mit dem man intensive Momente erlebt hat und für den man natürlich auch was empfindet. Wie geht es dir mit den Abschieden? Und gab es schon mal den Fall, dass du überlegt hast, eines der Kinder fix bei dir aufzunehmen in Langzeitpflege?

Meine Motivation war von Anfang an, den Kindern zu helfen und da gehört der Abschied einfach dazu, um Platz für ein neues Kind zu schaffen. Es geht mir auch gut damit, wenn der Fall gut ausgeht. Ob Langzeitpflege oder zurück zu den Eltern. Was gut für die Kinder ist, ist auch gut für mich. Zur Zeit betreue ich gerade mein 12. Kind und ja, es waren schon einige “Herzenskinder” dabei, aber um ein Kind zu behalten, müsste ich in die Langzeitpflege wechseln und könnte zumindest die nächsten 2-3 Jahre die Krisenpflege an den Nagel hängen. Außerdem möchte ich kein weiteres Kind groß ziehen. Das steht fest.

Wie nennen dich die Pflegekinder eigentlich?

Aller Versuche zum Trotz nennen sie mich “Mama”. Sie hören das ja auch von meiner Tochter und ich heiße nun mal “Mama” bei uns zu Hause. Wenn sie so klein sind, verstehen sie auch nicht, warum sie mich mit meinem Vornamen ansprechen sollen, Bei den 2-3 Jährigen funktioniert es manchmal.

Kommt nach einem Abschied sofort das nächste Kind zu dir? Oder gibt es dazwischen Erholungsphasen?

Ja, auf jeden Fall. Das braucht man unbedingt. Ich nehme mindestens 2 Wochen, max. 3 Monate im Jahr Auszeit.

Krisenpflegeeltern erhalten vom Jugendamt einen fixen monatlichen Betrag als Aufwandsentschädigung, mit dem man Kleidung, Lebensmittel, Medikamente, Spielsachen kaufen muss, also wirklich alles, was das Pflegekind braucht. Das ist aber kein Einkommen, von dem man sein Leben bestreiten kann – das heißt derzeit muss man sich das Krisenpflegeelterndasein “leisten” können, es steckt in Wahrheit sehr viel Idealismus, Hingabe und gelebte Menschlichkeit dahinter. Sollte es deiner Meinung nach zu einem bezahlten Beruf umgewandelt werden? Was wären die Vorteile, was die Nachteile?

Vor etwa 2 Jahren habe ich gemeinsam mit einer anderen Krisenpflegemutter den Verein “Artemes – zur Unterstützung von Krisenpflegeeltern (KPE)” gegründet. Wir setzen uns dafür ein, dass KPE ein Gehalt bekommen, von dem man auch Miete zahlen kann – also leben kann. Es liegt nun noch am Stadtrat, das zu genehmigen. Wir hoffen, dass wir noch 2017 damit rechnen können. Ziel ist dabei auch größere Kinder also 4-5 Jährige in Krisenpflegefamilien unterbringen zu können, was nicht möglich ist, weil nur wenige dieser Aufgabe nachgehen können, also es sich leisten können, Kinder bei sich aufzunehmen und auf eine berufliche Karriere verzichten. Auch Pensionsversicherung ist hier ein wichtiges Thema. Selbst für AlleinerzieherInnen wäre es toll, weil sie ihre eigenen Kinder nicht fremd betreuen lassen müssten und zu Hause sein könnten! Es gebe also viele Vorteile – auf allen Seiten.

Liebe Sabrina, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast für das Gespräch und alles Gute!

Weiterführende Links:

Krisenpflege der Stadt Wien

Information – österreichweit:

Verein „Artemes – zur Unterstüzung von Krisenpflegeeltern“

 

 

Mama Talks: Mari – die Sportreporterin über ihre zweite Schwangerschaft

Mama Talks - Mari - Salon Mama - By Pamela Rußmann

2002, lange bevor sie selber Mutter wurde, hat die Fotografin Pamela Rußmann begonnen, schwangere Frauen zu fotografieren. Seitdem porträtiert sie Jahr für Jahr in achtsam vorbereiteten und ausgeführten Fotoshootings eine Vielzahl von Frauen und hat nicht nur ein enorm umfangreiches Bildarchiv aufgebaut, sondern sich durch die Beschäftigung und die vielen Gespräche mit schwangeren Frauen auch inhaltlich intensiv mit den Veränderungen und emotionalen wie seelischen Ebenen auseinandergesetzt.

Exklusiv für Salon Mama hat die Fotografin & Journalistin Pamela Rußmann nun eine Reihe konzipiert, in der sie ihre bisherige Arbeit des Fotografierens von schwangeren Frauen um eine Ebene erweitert, nämlich: das Wort.


Zum siebenten Mal stellt Fotografin Pamela Rußmann in der Mama Talks Reihe eine schwangere Frau ins Rampenlicht. Diesmal heißt sie Mari ist 36 und Journalistin bzw. Moderatorin. Sie erwartet ihr zweites Kind und spricht mit Pamela über den Alltag als Sportreporterin und ihre Lieblingsbeschäftigung bei schlechtem Wetter.

Eckdaten:

  • Vorname: Mari
  • Alter: 36
  • Beruf: Journalistin/Moderatorin
  • Wievieltes Kind: 2.
  • Fotos aufgenommen in der 36. Schwangerschaftswoche
  • Wohnort: Wien
  • Familienstand: verheiratet

Liebe Mari, zum zweiten Mal darf ich dich mit der Kamera wenige Wochen vor der Niederkunft verewigen! Wie alt ist deine Große nun schon und was sagt sie zum Geschwisterchen, das bald hier einziehen wird?

Meine erste Tochter Frida ist vor kurzem 3 Jahre alt geworden. Je größer mein Bauch wird, je mehr man das Baby auch von außen spüren kann, desto realer wird es auch für sie, dass sie bald eine kleine Schwester bekommt. Ich glaube, es „arbeitet“ sehr stark in ihr. Sie spricht oft vom Baby, stellt viele Fragen und spielt einmal pro Tag selbst Baby und kann plötzlich nicht mehr sprechen oder sich anziehen.

Ist dein Mann bei allen Untersuchungen und bei der Geburt dabei?

Nein, aus zeitlichen Gründen konnte mich mein Mann dieses Mal leider nicht bei allen Untersuchungen begleiten. Aber bei der Geburt wird er auf jeden Fall wieder mit dabei sein. Das ist mir und auch ihm sehr wichtig. 

Obwohl ich regelmäßig deine TV-Moderationen im ORF-Sport verfolge, habe ich ehrlich gesagt gar nicht „erkannt“, dass du einen Babybauch hast – du hast sehr geschickt die Moderationskarten vor die Leibesmitte gehalten. War das Absicht?

Nein, eigentlich nicht. Dass man meinen Babybauch kaum gesehen hat, hat sich eher aus der Studiosituation und der Kameraperspektive ergeben. Aber, es war mir gar nicht so unrecht, denn ich finde, als Schwangere ist man durch den Babybauch generell sehr ausgesetzt und irgendwie schutzlos. Man wird plötzlich so zum Allgemeingut – jeder meint, einen auf die Schwangerschaft anreden zu „dürfen“, Kommentare zum Aussehen abgeben zu müssen, ungefragt Ratschläge zu erteilen, etc. Schwangerschaft ist aber ein sehr privater, intimer Bereich einer Frau. Da würde ich mir von der Gesellschaft mehr Sensibilität erwarten.

Bei Sportredaktionen stelle ich mir hauptsächlich Männer am Konferenztisch und im Studio vor. Ist das ein Klischee oder Realität? Und wie geht man in dem Umfeld mit schwangeren Frauen um? Sportlerinnen kriegen ja auch erst nach der Karriere ihre Kinder…

Die Realität ist schon noch so, dass in Sportredaktionen die Männer in der Überzahl sind. Das wirkt sich dann natürlich auch auf den Umgangston aus, auf die Schmähs, die so gemacht werden und auch auf die Arbeitseinstellung. Aber, zum Glück, ändert sich das allmählich. Die Frauen rücken nach.

Als Schwangere wurde ich zwar nicht wirklich anders behandelt, als als Nicht-Schwangere – die KollegInnen in meinem direkten Umfeld sind alle richtig super. Aber, ich habe schon das Gefühl, dass man als Frau mit Kind bzw. als Schwangere in dem Umfeld nicht mehr als 100%-ige Arbeitskraft gesehen wird. Bei Außeneinsätzen wird man nicht mitgedacht, etc. Wenn hingegen Männer Kinder kriegen, stehen die am nächsten Tag wieder irgendwo am Fußballplatz oder im Zieleinlauf und machen Interviews. Da sagt keiner: „Warte mal, der hat doch grad ein Kind bekommen. Der ist ja jetzt nicht mehr so flexibel und kann das nicht mehr machen.“ 

Würdest du dich als emanzipierte Frau beschreiben?

Ja, klar.

Der Geburtstermin ist für kurz nach Weihnachten berechnet – hat sich der Stellenwert von Advent und Weihnachten, nun da du eine kleine Familie hast, verändert? Geht´s dir auch ein bissl so, dass man mit den Kindern irgendwie die eigene Kindheit im Jahreskreis „nachspielt“?

Ja. Vor der Geburt meiner älteren Tochter waren mir traditionelle Feste nicht so wichtig. Mein Mann und ich sind ja beide nicht religiös, und so haben wir auch nie großen Wert auf Weihnachten oder Ostern gelegt. Wie wir die Kultur, in der wir aufgewachsen sind, zu der die Religion ja auch dazugehört, unseren Kindern vermitteln möchten, wissen wir noch nicht genau. Uns ist jedenfalls wichtig, dass Weihnachten als ein Familienfest gefeiert wird, wo wir uns auf das besinnen, was wir haben, die Ruhe genießen, diese besondere Winterstimmung. Aber klar haben wir auch einen Weihnachtsbaum und singen und hören Weihnachtslieder.

Welche Vereinbarungen innerhalb der Familie habt ihr bezüglich der Geschenke für die Dreijährige? Es soll ja vorkommen, dass die Kids vor lauter Packerl nimmer zu finden sind unterm Christbaum…

Wir haben uns heuer drauf geeinigt, dass Frida ein, zwei Geschenke bekommt, bei denen alle mitzahlen, und sonst nichts. Ich finde, dass kleine Kinder von zu vielen Geschenken regelrecht erschlagen werden. Da geht’s dann nur noch ums Auspacken, aber nicht mehr um die Freude des Beschenktwerdens. Und, ganz ehrlich, Kinder und auch wir Erwachsene haben heutzutage eh schon viel zu viel. Da muss es zu Weihnachten nicht auch noch mal ein Geschenkeberg sein, der kurz darauf vielleicht eh wieder im Müll landet.

Im Winter igelt man sich gern ein, wenn der eisige Wind ums Haus pfeift – dennoch wollen Kleinkinder was erleben. Wie löst du das? Was unternimmst du gerne mit deiner Tochter? Hast du Ausflugstipps für nasskalte Tage?

Wir versuchen jeden Tag zumindest kurz rauszugehen. Ums Eck bei uns ist ein Wald und auch der Lainzer Tiergarten, wo man herrlich spazieren gehen, Wildtiere schauen oder kurz mal am Spielplatz abhängen kann. Ich liebe das Gefühl, wenn man so halberfroren heimkommt und dann eine heiße Schokolade oder einen warmen Tee trinkt. 

Super ist es im Winter auch immer in eine Therme zu fahren. Das ist für Kind und Eltern gleichermaßen ein erholsames Erlebnis. Sonst sind Museen auch ganz fein – das Technische Museum oder das Naturhistorische zum Beispiel. Und manchmal gehen wir auch einfach nur in ein kindgerechtes Kaffeehaus und essen Kuchen. 

Apropos etwas unternehmen: hat sich dein Freundeskreis durch den Status Mutter verändert? Hast du noch gleich oft Kontakt mit deinen Freundinnen von „früher“?

Hm, der Freundeskreis hat sich schon stark verändert. Freundschaften mit kinderlosen sind schwieriger geworden, weil die Lebensrealitäten so auseinanderklaffen. 1-2 Freundschaften sind daran auch regelrecht zerbrochen. Mir ist aufgefallen, dass Menschen, die keine Kinder haben manchmal kein Verständnis für die Bedürfnisse von Eltern haben. Dinge, die man früher gemacht hat, sind mit Kindern halt nicht mehr so toll – zB. stundenlang in einer lauten Bar sitzen und plaudern. Und, ob man abends bis 3 Uhr Früh tanzen geht, wenn man weiß, man kann sich am nächsten Tag sicher nicht ausschlafen bzw. wird vielleicht sogar in der Nacht noch 1-2 Mal geweckt, überlegt man sich halt auch drei Mal.

Wo holst du dir Orientierung ab in Sachen Kindererziehung? Bei Gesprächen mit Freundinnen, mit deiner Mama, aus Büchern?

Ich lese, seit ich schwanger geworden bin, recht viele Blogs im Internet und diverse Bücher. Und, dann picke ich mir das für mich Richtige heraus und versuche gut auf mein Bauchgefühl und auf die Bedürfnisse meiner Tochter zu hören. Ich bin draufgekommen, dass das Thema Kindererziehung ähnlich wie Politik ist – wirklich offen wird darüber nicht gesprochen und die Meinungen gehen da oft gaaanz weit auseinander. Was für die Einen gut ist, ist für die Anderen unvorstellbar und umgekehrt.

Was meinst du – werde ich in drei Jahren wieder zum Babybauch-Shooting zu dir kommen oder Familienplanung abgeschlossen?

Das, liebe Pamela, wissen nur die Sterne. Jetzt freuen wir uns Mal sehr auf Baby Nummer zwei.

Danke für deine Zeit und alles Gute!

Mama Talks: Isabel – eine Working Mum über die Freude auf das neue Familienmitglied

2002, lange bevor sie selber Mutter wurde, hat die Fotografin Pamela Rußmann begonnen, schwangere Frauen zu fotografieren. Seitdem porträtiert sie Jahr für Jahr in achtsam vorbereiteten und ausgeführten Fotoshootings eine Vielzahl von Frauen und hat nicht nur ein enorm umfangreiches Bildarchiv aufgebaut, sondern sich durch die Beschäftigung und die vielen Gespräche mit schwangeren Frauen auch inhaltlich intensiv mit den Veränderungen und emotionalen wie seelischen Ebenen auseinandergesetzt.

Exklusiv für Salon Mama hat die Fotografin & Journalistin Pamela Rußmann nun eine Reihe konzipiert, in der sie ihre bisherige Arbeit des Fotografierens von schwangeren Frauen um eine Ebene erweitert, nämlich: das Wort.


In unserem bereits sechsten Mama Talks Interview (die ersten fünf gibt es hier nachzulesen) kommt Salon Mama und Alma Babycare Gründerin Isabel zu Wort. Sie ist mit ihrem 2. Kind schwanger und freut sich schon auf den kleinen Bruder für ihre Tochter Alma. Isabel spricht mit Pamela außerdem über den bisherigen Verlauf ihrer Schwangerschaft und ihrer Vorstellung vom Muttersein.

Eckdaten:

  • Vorname: Isabel
  • Alter: 35
  • Beruf: Filmproducer, Gründerin von Salon Mama & Alma Babycare
  • Wievieltes Kind: 2.
  • Fotos aufgenommen in der 34. Schwangerschaftswoche
  • Wohnort: Wien
  • Familienstand: verheiratet

Liebe Isabel, ich freu mich ganz besonders, diese Fotos und das Interview heute mit dir zu machen. Wichtigste Frage: wächst und gedeiht alles gut?

Ja alles gut, danke der Nachfrage. Gerade rechtzeitig hat sich das Baby in die richtige Position gedreht, da bin ich sehr erleichtert. Hoffentlich bleibt es auch so 😉

Wie fühlst du dich im Endspurt?

Eigentlich ganz gut muss ich sagen. Natürlich hat man im 3. Trimenon einige Wehwehchen. Ich schlafe nicht so gut und habe manchmal Rückenschmerzen, aber seit er sich in die richtige Position gedreht hat, geht es mir auch körperlich um einiges besser.

Mama Talks - Isabel - Von Pamela Rußmann
Mama Talks - Isabel - Von Pamela Rußmann

Wie hast du diese zweite Schwangerschaft erlebt bis jetzt? Was ist anders im Vergleich zur 1. – ist ja noch nicht so lang her…

Die zweite Schwangerschaft passiert wirklich im „Vorbeigehen“. In der ersten Schwangerschaft verging die Zeit extrem langsam, ich habe mich viel mehr geschont und habe die Schwangerschaft auch bewusster miterlebt. Jetzt in der 2. kennt man natürlich alles schon und ist um einiges entspannter. Ein Unterschied ist leider, dass ich in der 2. Schwangerschaft viel schlechter schlafe. Keine Ahnung warum, aber ich wache nachts viel öfter auf.  Und natürlich habe ich eine zweieinhalbjährige Tochter zu Hause, die mich braucht. Ich glaube, da geht es allen Zweifach- Mamas sehr ähnlich.

Hattest du ein Bild von dir im Kopf, wie du als Mama sein wirst?

Ganz und gar nicht. Ich habe das wirklich auf mich zukommen lassen. Und hatte auch nicht wirklich Vorstellungen oder fixe Glaubenssätze im Kopf. Was meinem Mann und mir extrem wichtig war, war, dass wir unser Leben nicht komplett an unser Kind anpassen, sondern dass unser Kind in unser Leben integriert wird. Und so war es auch. Wir haben Alma wirklich überall hin mitgenommen und sind auch sehr früh mit ihr gereist. Und ich muss sagen, es war gut so und wahnsinnig unkompliziert. Da ich ziemlich schnell eine „Working Mum“ war, war es mir sehr sehr wichtig, die komplette Freizeit mit meinem Kind zu verbringen. Und ich bin sehr froh, dass mein Mann es genauso sieht.

Mama Talks - Isabel - Von Pamela Rußmann

Mit einem Kind verändert sich nicht nur der Alltag, sondern manchmal auch der Gesprächsstoff. Gab es bei dir auch den Moment, wo du dich ertappt hast, hauptsächlich mit anderen Frauen über Kinderkrankheiten, Babynahrung und Spielplätze zu quatschen? Und wie kommt man aus dieser Falle wieder raus?

Ja klar kenne ich das, und ab und zu finde ich das auch absolut ok und auch wichtig. Aber sobald man als Mama wieder arbeitet, ändert sich das automatisch und man hat genug andere Gesprächsthemen. Nichtsdestotrotz tausche ich mich gerne mit anderen Mamas darüber aus. Aber eher im Kaffeehaus als am Spielplatz 😉

Wie du uns bereits verraten hast via Salon Mama, bekommst du nun einen Buben. Bald steht es also 2:2 in eurem Haushalt – wieso war es dir wichtig zu wissen, welches Geschlecht dein ungeborenes Kind hat?

Wirklich wichtig war es nicht. Aber da mein Mann und ich sehr neugierig sind, wollten wir es, wenn es die Möglichkeit schon gibt, natürlich wissen 🙂

Könntest du dir auch vorstellen, tatsächlich bis zur Geburt nicht zu wissen, wer da raus schlüpft?

Ich absolut, mein Mann glaube ich nicht. In anderen Ländern, wie Schweden z.B. ist es total normal das Geschlecht bis zur Geburt nicht zu wissen. Ich finde es toll, wenn Eltern sich überraschen lassen.

Mama Talks - Isabel - Von Pamela Rußmann

Mama Talks - Isabel - Von Pamela Rußmann

Machst du dir Gedanken darüber, wie sich die Geburt des Sohnes auf das Mama-Tochter-Gespann auswirken wird?

Ja. Und ganz ehrlich: darüber mache ich mir wirklich viele Gedanken. Meine Tochter und ich haben eine sehr innige Bindung und ich kann mir irgendwie noch gar nicht vorstellen, wie sich alles durch die Geburt  meines Sohnes verändern wird. Bei ihr und bei mir. Aber ich glaube jeder Mensch findet seinen Platz in einer Familie und die Familienstrukturen verändern sich. Es wird sehr spannend. Aber ich habe meine Tochter sehr auf ihren Bruder und die kommende neue Lebenssituation vorbereitet. Das war mir auch sehr wichtig. Alma und ich verbringen lustigerweise die letzten Wochen vor der Geburt gerade sehr intensiv, irgendwie wissen wir beide, dass es auch ein kleiner Abschied von dieser exklusiven Zeit ist.

Die meisten Mehrfachmamas, mit denen ich spreche, berichten, dass sie sich beim zweiten, dritten… Kind viel weniger Gedanken gemacht haben, ob sie was richtig oder falsch machen. Geht es dir auch so?

Absolut! Obwohl ich mir da bei meiner Tochter auch wenig Gedanken gemacht habe. Ich habe ein ganz gutes Bauchgefühl und darauf verlasse ich mich meistens. Für mich ist es das Wichtigste immer in Beziehung zu meinem Kind zu stehen. Es wahrzunehmen, ernst zu nehmen und auf seine Bedürfnisse einzugehen. Ich glaube,  wirkliche Gedanken zum Thema Erziehung kommen sowieso erst etwas später.

Wir alle neigen in unserer kopflastigen Welt dazu, mehr und mehr lebensverändernde Entscheidungen exakt planen zu wollen. Was hältst du vom berühmten „richtigen Zeitpunkt“ für ein zweites Kind?

Puh. Bei mir gab es ihn definitiv nicht. Baby Nummer 2 war von meiner Seite total ungeplant, ich wollte eigentlich noch etwas warten. Mein Mann konnte sich ein zweites Kind schon gut vorstellen, ich war aber noch nicht wirklich bereit dafür. Aber anscheinend sollte es so sein und im Nachhinein sind wir auch über den Zeitpunkt sehr froh, denn ich hätte wahrscheinlich nie den richtigen gefunden, denn es kommt immer etwas „dazwischen“ 😉

Du baust mit Unterstützung deines Mannes und deiner Familie gerade als frische Unternehmerin eine Baby-Kosmetikmarke auf. Da ist Kinderbetreuung natürlich ein Thema. Nach welchen Kriterien habt ihr den Kindergarten für eure Tochter ausgesucht?

Bei uns war es ein totaler Zufall, dass ein neuer Kindergarten in der gleichen Straße aufgesperrt hat, als Alma auf die Welt gekommen ist. Wir haben ihn uns angesehen und waren sofort angetan, da er sehr gut zu uns gepasst hat. Das heißt in unserem Falle: örtliche Nähe, moderne Öffnungszeiten (7:00 -19:00), es gibt frisches Bio- Essen und das wichtigste: die PädagogInnen sind wirklich toll und sehr liebevoll. Alma hat das Glück, dass ihre Pädagogin Isabella sie schon seit sie 11 Monate ist begleitet und ich auch ihren Zugang zu Kindern sehr schätze. Alma liebt es, in den Kindergarten zu gehen. Das gibt mir als Mama eine enorme Sicherheit.

Vielleicht noch eine Hilfestellung an die Papas: was könnte man einer zweifachen Mama zu Weihnachten schenken, über das sie sich richtig, richtig freut?

Hmm.. schwierige Frage. Ich z.B. wünsche mir eine neue Wickeltasche (haha , aber bin mir nicht sicher, ob sich da jede Zweifach-Mama darüber freut.) Aber auch ein Schmuckstück von katie g steht am Wunschzettel und natürlich zum Verwöhnen ein Öl von Alma Babycare 🙂

Mama Talks - Isabel - Von Pamela Rußmann

Mama Talks: Sabrina und die Freude auf den Alltag zu viert

Mama Talks - Salon Mama - Pamela Rußmann

2002, lange bevor sie selber Mutter wurde, hat die Fotografin Pamela Rußmann begonnen, schwangere Frauen zu fotografieren. Seitdem porträtiert sie Jahr für Jahr in achtsam vorbereiteten und ausgeführten Fotoshootings eine Vielzahl von Frauen und hat nicht nur ein enorm umfangreiches Bildarchiv aufgebaut, sondern sich durch die Beschäftigung und die vielen Gespräche mit schwangeren Frauen auch inhaltlich intensiv mit den Veränderungen und emotionalen wie seelischen Ebenen auseinandergesetzt.

Exklusiv für Salon Mama hat die Fotografin & Journalistin Pamela Rußmann nun eine Reihe konzipiert, in der sie ihre bisherige Arbeit des Fotografierens von schwangeren Frauen um eine Ebene erweitert, nämlich: das Wort.


In unserem fünften Interview (Mama Talks VOL 1, Mama Talks VOL 2, Mama Talks VOL 3, Mama Talks VOL 4) sprechen wir mit Sabrina, die mit 34 Jahren ihr zweites Kind erwartet. Sie hat sich bewusst für ein Leben „im Grünen“ entschieden und freut sich darauf, dass ihre ältere Tochter bald eine kleine Schwester zum Spielen bekommt.

Eckdaten: 

  • Vorname: Sabrina
  • Alter:  34
  • Beruf: AHS-Lehrerin
  • Wievieltes Kind: 2.
  • Fotos aufgenommen in der 36. Schwangerschaftswoche
  • Wohnort: Korneuburg / Niederösterreich
  • Familienstand: verheiratet

Mama Talks

Liebe Sabrina, in wenigen Wochen schlüpft deine zweite Tochter – welches Wort/welcher Satz beschreibt am besten, wie du dich momentan fühlst?

Ich bin schon sehr gespannt und neugierig auf Livia. Auch darauf, wie die Geburt dieses Mal ablaufen wird, wie sich unsere Große mit ihrer kleinen Schwester tun wird und wie schnell sich der Alltag zu viert einstellen wird.

Wie erlebst du diese zweite Schwangerschaft? Viele Frauen erzählen mir, dass der zweite Babybauch weit weniger Aufmerksamkeit bekommt als der erste…

Es ist tatsächlich so: die zweite Schwangerschaft geht irgendwie an einem vorbei. Es ist ja nicht mehr neu, man kennt das ja alles irgendwie schon. Auch mein Mann empfindet diese zweite Schwangerschaft als weniger aufregend als die erste. Und man hat ja noch das ältere Kind, da kann man sich leider nicht immer ausruhen, wenn man es gerade bräuchte.

Mama Talks

Deine Erstgeborene ist schon im Kindergarten – wie reagiert sie auf den Familienzuwachs?

Alina weiß, dass ihre kleine Schwester in Mamas Bauch ist und redet immer wieder mal von ihr. Seit ein, zwei Wochen sagt sie sehr oft, dass sie Livia schon hört und dass sie bald kommt. Sie scheint sich also auf ihre kleine Schwester zu freuen. Oliver und ich sind schon sehr gespannt, wie sie sich dann tut, wenn Livia wirklich da ist.

Die Große ist bereits ein bisschen selbstständig, spielt schon mit Freundinnen, ist mit den Großeltern unterwegs usw. – und nun beginnt wieder die Zeit, wo du als Mama rund um die Uhr mit ganzem Körpereinsatz gefragt bist. Was wirst du anders machen als beim ersten Kind?

Ich glaube, dass ich insgesamt nicht so viel anders machen werde, weil es mit Alina doch recht gut geklappt hat. Aber ich hoffe, dass ich dieses Mal etwas entspannter an die ganze Sache ran gehe. Bei Alina war ich schon recht unsicher beim Stillen und ob sie genug trinkt. Da hab ich mir sicher viel zu viele Gedanken gemacht.

Dein Mann lebt also bald mit 3 Frauen unter einem Dach. Wie sieht er der Zukunft mit so viel Frauenpower im Haus entgegen?

Oliver sieht sich als Hahn im Korb. Seit Beginn der Schwangerschaft hat er sich eigentlich eine zweite Tochter gewünscht. Alina kann ihren Papa jetzt schon gut um den Finger wickeln, und ich glaube, dass es bei Livia nicht viel anders sein wird.

Mama Talks

Salon-Mama-Vorlage

Vor den Kindern hast du in Wien gewohnt und gearbeitet, nun lebt ihr in einer niederösterreichischen Kleinstadt, idyllisch mit Haus und Garten. Wolltet ihr bewusst die Kinder „im Grünen“ aufwachsen lassen? Mit möglichst wenig Beton und möglichst viel Bewegungsfreiheit?

Ja, Wien war schon toll während dem Studium, aber mit Familie ist es hier „am Land“ doch viel einfacher und angenehmer. Oliver und ich kommen ja beide aus Korneuburg, haben hier Familie und Freunde. Daher fiel es uns nicht sonderlich schwer, uns fürs Hausbauen hier zu entscheiden. Und es ist einfach genial, wenn man nur die Tür aufmachen muss und schon mitten im Grünen, zwischen den Feldern ist und nicht erst, wie in Wien, etwas gehen oder vielleicht sogar fahren muss, um zu einem Park zu gelangen. Und Alina liebt es im Garten zu spielen und sich auszutoben, das wäre in Wien oftmals so nicht möglich. Und der große Vorteil von Korneuburg ist ja, dass es wiederum so nah bei Wien ist, da ist es für uns eigentlich nur ein Katzensprung, bis wir in der Innenstadt sind.

Du bist Lehrerin an einem Gymnasium – ich sag gern halb im Scherz, halb ernst, dass man eigentlich eh nur als LehrerIn Kinder kriegen kann, weil dann hat man zur selben Zeit frei wie die Kinder Ferien haben, zum Beispiel im Sommer…wie siehst du das? Ist das ein familienfreundlicher Job, den du hast?

Also was die Ferien betrifft, definitiv. Da muss ich mir nie Gedanken machen, wer sich denn in den vielen freien Wochen um meine Kinder kümmert. Wenn alles nach Stundenplan läuft, dann bin ich auch meistens mittags bzw. am frühen Nachmittag zuhause. Das ist natürlich toll. Und da kann ich mir dann ja selbst einteilen, wann ich dann Hefte korrigiere und den Unterricht und die Schularbeiten vorbereite. Das ist dann meistens am Wochenende bzw. am Abend, wenn Oliver schon da ist. Nur leider läuft es nicht immer nach Stundenplan. Da gibt es viele zusätzliche Aktivitäten (Konferenzen, Besprechungen in der Fachgruppe, Elternabende, Elternsprechtage, Projekttage, Matura), und da musste ich leider auch schon mehrmals meine freien Nachmittage und auch meinen freien Tag, den ich bei Teilzeit ja habe, opfern und in die Schule fahren. Gott sei Dank haben wir beide Großelternpaare im Ort und die springen dann auch immer ein und kümmern sich um Alina. Auch Schulanfang und Schulschluss sind immer die Wochen, in denen nichts geregelt abläuft und dann die Großeltern meistens bis am Abend Babysitter spielen.

Mama Talks

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Du bist im Job und zu Hause von Kindern umgeben, von ganz klein bis fast erwachsen. Wo ist dein „erwachsener“ Rückzugsort? Oder brauchst du den gar nicht?

Mein erwachsener Rückzugsort? Gute Frage. Ich lese sehr gerne, mach das aber in letzter Zeit eigentlich viel zu wenig. Aber wenn ich mich mal daheim entspannen will, dann leg ich mich für eine Stunde in die Badewanne und lese ein gutes Buch. Und hin und wieder gönnen Oliver und ich uns natürlich Zeit zu zweit, in der wir Essen gehen und Alina bei den Großeltern übernachtet. Aber wir unternehmen auch sehr viel zu dritt als Familie. Da in unserem Freundeskreis die meisten Paare fast zeitgleich mit uns Eltern wurden, ist das natürlich sehr angenehm, wenn wir uns treffen. Da können wir Erwachsene halbwegs ungestört plaudern, während die Kinder miteinander spielen.

Mama Talks: Eva oder die Geschichte vom wohlig-warmen Freudegefühl

Mama Talks

2002, lange bevor sie selber Mutter wurde, hat die Fotografin Pamela Rußmann begonnen, schwangere Frauen zu fotografieren. Seitdem porträtiert sie Jahr für Jahr in achtsam vorbereiteten und ausgeführten Fotoshootings eine Vielzahl von Frauen und hat nicht nur ein enorm umfangreiches Bildarchiv aufgebaut, sondern sich durch die Beschäftigung und die vielen Gespräche mit schwangeren Frauen auch inhaltlich intensiv mit den Veränderungen und emotionalen wie seelischen Ebenen auseinandergesetzt.

Exklusiv für Salon Mama hat die Fotografin & Journalistin Pamela Rußmann nun eine Reihe konzipiert, in der sie ihre bisherige Arbeit des Fotografierens von schwangeren Frauen um eine Ebene erweitert, nämlich: das Wort.


In unserem vierten Interview (Mama Talks VOL 1, Mama Talks VOL 2, Mama Talks VOL 3treffen wir die 34jährige Eva. Sie ist ist Redakteurin, Autorin und Comedienne in Personalunion und steht kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes.

Eckdaten der interviewten Frau:

  • Vorname: Eva
  • Alter: 34 Jahre
  • Beruf: Redakteurin, Autorin, Comedienne
  • Wievieltes Kind: Das Erste
  • Fotos aufgenommen in der 37. Schwangerschaftswoche
  • Wohnort: Wien
  • Familienstand: verheiratet

Liebe Eva, der Geburtstermin deines ersten Kindes steht unmittelbar bevor – welches Wort/welcher Satz beschreibt am besten, wie du dich momentan fühlst?

Ich bin gespannt! Im positiven Sinne.

Und welches Wort / welcher Satz beschreibt am besten den Moment, als du draufgekommen bist, dass du schwanger bist?

Wohlig-warmes Freudegefühl.

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Für dich ist regelmäßige Bewegung und Sport wichtig. Welche Bewegungsarten hast du schwanger weiter betrieben? Was hast du als besonders angenehm empfunden mit größer werdendem Bauch?

Ich habe in den ersten Wochen ganz normal Sport gemacht, hab mich aber nicht mehr verausgabt: Ich war Radfahren, Laufen (allerdings am Laufband, nicht am Asphalt), hab Pilates gemacht. Mit zunehmendem Bauch bin ich auf den Crosstrainer und Yoga umgestiegen und hab mich auf ein gezieltes Krafttraining für Rücken, Schultern, Oberarme und Oberschenkel konzentriert. Das hört sich jetzt alles enorm sportlich an, ich bin aber auch genügend auf der Couch gelegen und habe einfach gefaulenzt. Hat sich die Waage gehalten. Mittlerweile geht mit Riesenbauch fast nichts mehr. Am angenehmsten sind für mich derzeit noch das Krafttraining und ein paar wenige Yogaübungen, bei denen der Bauch nicht so stört.

Du bist eine Frau, die sich mit Mode beschäftigt, auch gern Gwand einkauft, und einen Sinn für Styling hat. Wie empfindest du das Angebot an „Umstandsmode“ (ein blödes Wort, aber mir fällt auch kein Besseres ein)? Wo siehst du Entwicklungspotenzial? (Farben, Muster, Schnitte…)

Puh, wirklich lässige & moderne Klamotten für Schwangere sind eine echte Marktlücke! Wer also viel Geld hat und ein Label gründen möchte, soll sich ruhig trauen: damit würde man sicher eine große Klientel anziehen. Selbst die internationalen Marken haben wenig Auswahl. H&M etwa bietet eine ganz nette Grundausstattung an, die Schnitte sind mir aber auf Dauer zu bieder. Auch in den klassischen Umstandsmode-Geschäften gibt es nur brave Schnitte. Empfehlen kann ich aber den Shop „Unter Umständen“ in der Windmühlgasse in Wien, da wird sogar extra für einen ohne Kaufzwang bestellt und auch die Preise sind moderat. Ich habe dennoch das meiste online geshoppt, etwa auf Asos oder Zalando. Auf die Seite https://www.slacksandco.com/ bin ich leider erst vor kurzem gestoßen – die haben auch gute Schnitte. COS hat zwar keine Maternity-Abteilung, aber die Schnitte sind meist großzügig, da hab ich bei Kleidern einfach eine Nummer größer als sonst genommen. Im Endeffekt braucht man ziemlich bald Umstandshosen, die normalen Jeans kneifen schnell. Alles andere kann warten. Oberteile oder Jacken habe ich ganz normal gekauft. Seit man den Schwangerschaftsbauch deutlich erkennen kann, trage ich sogar lieber enge Oberteile und Kleider. Sonst zählt der Bauch eher zu meinen Problemzonen, jetzt genieße ich es gerade den Ballon zu präsentieren.

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Hast du Kleider von befreundeten Ex-Schwangeren geliehen (bekommen) bzw. Second Hand-Shops aufgesucht?

Wenig. Ich habe mir eine graue Umstands-Jeans und einen dunkelblauen Umstands-Badeanzug ausgeliehen. Meine Cousine hat mir ihre Still-BHs vermacht, mal sehen ob die dann wirklich passen, wenn ich Milch-Melonen habe. Second Hand hab ich für mich gar nichts geshoppt. Baby-Klamotten allerdings hab ich viele aus zweiter Hand von Freundinnen bekommen.

Hast du dir das Geschlecht deines Babys sagen lassen?

Ja!!! Es wird ein Bub!!!! Ich bin ein neugieriger Mensch, will sonst auch jeden Schas wissen. Bei gerade diesem wichtigen Thema plötzlich die Ohren zuzuhalten, wäre sehr untypisch für mich gewesen. Mein Mann ist übrigens noch neugieriger als ich. Wir hätten uns komplett narrisch gemacht die letzten Monate. Es ist sicher total super, sich so überraschen zu lassen. Ich bin aber eine Organisatorin, ich liebe es zu planen. Ok, ich bin ein kleiner Kontrollfreak. Das Baby wird mich bald eines Besseren belehren, haha.

Wenn ja: hast du „geschlechtsspezifische“ Sachen geshoppt bereits?Ein Spielzeugauto für den Buben, ein Püppchen für die Tochter? Babyrassel in Pink, Mobile mit Rittern und Pferden?

Es haben sich in den letzten Monaten zwei Spleens bei mir herauskristallisiert:

1.    Ich bin voll auf Öko-Test reingekippt und habe mir nichts gekauft, ohne vorher die Testberichte gelesen zu haben. (Bekannte Marken sind per se nicht die beste Wahl etc. pp.)

2.    Ich finde geschlechtsspezifische Sachen schrecklich langweilig. Ich habe es bisher also absolut vermieden, Sachen in hellblau mit Bagger zu kaufen. Ich habe nur farbneutrale Babykleidung zu Hause, selbst Spieluhr, Handtücher, Bettwäsche oder Spucktücher verraten nichts über das Geschlecht des Babys. Dafür gibt es viele Drucke mit lieben Tieren. Ich werde nämlich noch früh genug stundenlang vor Baustellen, LKWs und Baggern stehen und  zu Hause auf Matchboxautos treten. Weil darauf stehen die meisten Buben wirklich total.

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Macht ihr euch Gedanken zu diesem Thema, inwiefern Verhalten der Eltern, Spielzeug und Werbung das soziale Geschlecht beeinflussen? (Rosa-Regenbogen-Hello Kitty-Prinzessinnen bei den Mädchen; Ritter-Burgen-Autos-Star Wars bei den Buben; „Buben sollen ruhig wild und laut sein, Mädchen basteln und zeichnen lieber und spielen mit Barbies“)

Ich mache mir da schon Gedanken darüber. Allerdings sehe ich es auch entspannt: Wenn der Kleine mit einem Auto spielen möchte, soll er das bitte tun. Wenn er gerne mit Puppen spielt, go for it. Je nach Laune. Da brauch ich mich nicht als die pädagogische Supermutter aufzuspielen. Ich finde es  viel wichtiger, ein Augenmerk auf das soziale Verhalten zu legen und ihn nicht mit typischen weiblichen/männlichen Klischees und klassischen Verhaltensweisen zu erziehen. Der Kleine wird halt Spielraum und Freiheit für seine ganz eigene persönliche Entwicklung brauchen, keine angestaubten Ideen in rosa und hellbau.

Hast du Spielsachen, Möbel oder Kleidungsstücke aus deiner Kindheit sorgsam aufbewahrt für dein eigenes Kind?

Ich hab noch immer meinen Barbie-Koffer von damals. Ha! Voll das Mädchen-Klischee! Ich habe Barbie-Spielen übrigens heiß geliebt. Außerdem gibt es noch einige alte Bilderbücher, die ich extra aufbewahrt habe. Auch die Bäume im Garten stehen zum Raufkraxeln noch immer bereit. Meine Verkleidungskiste gibt es leider nicht mehr, auch nicht die tausend Legoteile. Und leider hat meine Mutter die He-Man-Action Figuren weggeschmissen. Die gehörten zwar meinem Bruder, aber gespielt habe meistens ich damit. Bin noch immer großer Skeletor- und She-Ra-Fan!

Mama Talks: Irina – und wie es sich anfühlt bald zu dritt zu sein

Irina - Mama Talks
© Pamela Russmann

2002, lange bevor sie selber Mutter wurde, hat die Fotografin Pamela Rußmann begonnen, schwangere Frauen zu fotografieren. Seitdem porträtiert sie Jahr für Jahr in achtsam vorbereiteten und ausgeführten Fotoshootings eine Vielzahl von Frauen und hat nicht nur ein enorm umfangreiches Bildarchiv aufgebaut, sondern sich durch die Beschäftigung und die vielen Gespräche mit schwangeren Frauen auch inhaltlich intensiv mit den Veränderungen und emotionalen wie seelischen Ebenen auseinandergesetzt.

Exklusiv für Salon Mama hat die Fotografin & Journalistin Pamela Rußmann nun eine Reihe konzipiert, in der sie ihre bisherige Arbeit des Fotografierens von schwangeren Frauen um eine Ebene erweitert, nämlich: das Wort.


In unserem dritten Interview „Mama Talks No. 3“ (hier geht es zu No. 1 und No. 2) treffen wir die 35-jährige Irina, die ihr erstes Kind bekommt.

  • Name: Irina
  • Alter: 35
  • Beruf: Produktionsleiterin
  • Wievieltes Kind: erstes
  • Wohnort: Wien
  • Familienstand: ledig
Irina - Mama Talks by Pamela Russmann für Salon Mama
© Pamela Rußmann

Liebe Irina, wir haben deine Babybauchfotos sehr spät gemacht, nur wenige Tage vor dem errechneten Geburtstermin. Von Anspannung oder Nervosität hab ich bei dir nichts gemerkt…Wie fühlt es sich für dich an, so kurz davor? Was beschäftigt dich im Moment am meisten?

Hmm, die Grundstimmung ist auf jeden Fall Ruhe, ein Urvertrauen in meinen Körper, dass er das, was er bis jetzt geleistet hat, auch zu einem glücklichen Abschluss bringen wird. Große Vorfreude auf unsere Tochter! Manchmal schleicht sich aber auch Nervosität und Ungeduld ein. Die Vorstellung, dass es jeden Augenblick soweit sein könnte, ist schon aufregend.

Kannst du dir vorstellen, bald ein neues, kleines Lebewesen bei dir zu Hause zu haben?

Ja und nein. Mein Freund und ich sprechen häufig davon, wie verrückt es ist, dass tatsächlich bald unser klitzekleines Kindlein bei uns einziehen wird. Die Kugel, mit der wir seit neun Monaten sprechen, sie streicheln und für sie singen verwandelt sich in ein richtiges Kind. Es bleibt ein Gefühl der Ungläubigkeit, und auch manchmal der Sorge, ob man auch nichts falsch machen wird. Im Laufe der letzten Monate haben wir uns zu routinierten Eltern eines organisch perfekt eingepackten Babies entwickelt – sehr bald müssen wir wieder ganz neu beginnen, lernen die Bedürfnisse dieses kleinen Wesens zu verstehen und zu stillen. Gottseidank gibt es Muttermilch, das macht vieles schon einmal einfacher.

Hast du den berühmten Nestbautrieb verspürt und ausgelebt?

Ich hatte in der ersten Zeit des Mutterschutzes so viel Besuch von Freunden und Familie, dass ich sehr spät, aber dafür dann sehr konsequent den Nestbautrieb ausgelebt habe. Ein Gefühl der Ruhe hat sich erst ausgebreitet, als die Wickelkommode stand, die ersten winzigen Strampler gewaschen und im Schrank verstaut waren und genügend Windeln vorrätig waren. Wobei mein Vater amüsiert über meine Nervosität, dass sie kommen könnte, bevor die Wickelkommode nach meinen Wünschen umgebaut ist, nur meinte, dass seine Mutter fünf Kinder wunderbar auf dem Küchentisch gewickelt hätte. Dieser Wunsch nach Perfektion in meiner Generation – ich schließe mich nicht aus – ist sicher nicht förderlich für eine entspannte Grundhaltung.

Apropos Perfektion: Hast du die Tasche fürs Krankenhaus schon gepackt oder machst du das spontan?

Mein Freund hat so lange genörgelt, bis die Tasche dann vor ein paar Tagen endlich gemeinsam gepackt und griffbereit verstaut wurde.

Wird dein Lebenspartner bei der Geburt dabei sein?

Ja.

Es ist heutzutage normal, dass der Papa bei der Geburt dabei ist. Das war nicht immer so. Hast du auch mal dran gedacht, ihn nicht mitzunehmen in den Kreißsaal, nach dem Motto „das mach ich lieber allein, er soll mich nicht so sehen“?

Nein, das war für mich total klar und selbstverständlich, dass er die ganze Zeit dabei ist. Ich habe ihn aber trotzdem im Laufe der Schwangerschaft darauf angesprochen, ob er auch mal darüber nachgedacht hat, nicht dabei sein zu wollen. Er ist zwar, wie wahrscheinlich alle Erstlingsväter, nervös bei der Vorstellung, was ihn da erwarten wird, aber es ist auch für ihn völlig klar, dass er dabei sein möchte. Für mich bedeutet es sehr viel, dass er da sein wird, der Gedanke beruhigt mich ungemein.

Irina - Mama Talks by Pamela Russmann für Salon Mama
© Pamela Rußmann
Irina - Mama Talks by Pamela Russmann für Salon Mama
© Pamela Rußmann

Du hast dich für eine Wahlhebamme entschieden. Warum? Und wie hast du sie ausgewählt, also nach welchen Kriterien?

Das war für mich eine sehr schnelle und einfache Entscheidung. Meine Mutter hat mich 1980 zwar in einer der ersten Kliniken mit „rooming-in“ zur Welt gebracht, aber sie wurde, wie viele Gebärende davor und auch noch zu der Zeit während der Geburt übergangen und hatte keine Fürsprecherin, die sich kompetent für ihre Wünsche und Bedürfnisse eingesetzt hätte.

Eine Hebamme zu haben, die man nach Sympathiekriterien ausgesucht und vor der Geburt kennen gelernt hat, empfinde ich als sehr beruhigend! Ich habe bereits früh, im vierten Monat, nach einer Wahlhebamme gesucht. Eine liebe Freundin, die eine natürliche und schöne Geburt erlebt hat, empfahl sie mir. Bei einem ausführlichen Gespräch mit Kaffee und Kuchen in unserem Wohnzimmer haben mein Freund und ich sie kennen gelernt und waren beide sofort überzeugt, dass sie die richtige ist. Es war, passend zum Anlass, eine Bauchentscheidung.

 

Was erwartest du von „deiner“ Hebamme? Welche Rolle spielt sie für dich?

Sie weiß bereits durch unsere Gespräche, die wir verteilt über die Schwangerschaft geführt haben, was meine Wünsche sind. Ich stelle mir vor, dass sie mir mit ihrer Erfahrung, Ruhe und Kompetenz hilft, dieses Abenteuer für das Kind und mich so schonend wie möglich zu bewältigen. Die Geburt ist glaube ich ein intimer Akt, es ist wichtig für mich, dass dies in einem geschützten Raum, mit Menschen stattfindet, denen ich vertraue. Gebären muss natürlich ich selbst, das kann einem auch keine Wahlhebamme abnehmen, aber durch die im Vorhinein aufgebaute Beziehung, wird sie mir sicherlich helfen, mich zu entspannen und das ist, so wurde mir häufig gesagt, ja mit das wichtigste bei einer Geburt.

Irina - Mama Talks by Pamela Russmann für Salon Mama
© Pamela Rußmann
Irina - Mama Talks by Pamela Russmann für Salon Mama
© Pamela Rußmann

Ihr habt ein Haustier, einen Hund. Bist du selber auch mit Haustieren aufgewachsen? Denkst du, dass es für Kinder von Bedeutung ist, mit einem Bezug zu Tieren aufzuwachsen? Von wegen Verantwortung übernehmen usw..

Ich hatte als Kind nur Meerschweinchen und als Krönung ein Zwergkaninchen, ich habe mir immer einen Hund gewünscht. Durch die Berufstätigkeit meiner Eltern war dies leider nie möglich. Unsere junge Hündin haben wir erst vor einigen Monaten in Serbien angefahren auf der Straße gefunden und mitgenommen. Sie hat sich ziemlich schnell in unsere Herzen geschlichen und wir haben uns dann nach einer Weile und reiflicher Überlegung bewusst für ein Leben mit Kind und Hund entschieden. Auch hat sie eine ausgesprochen beruhigende Wirkung während der ganzen Schwangerschaft auf mich ausgeübt und auch noch durch ausgiebige Waldspaziergänge fit gehalten. Sie ist sehr lieb zu Kindern und ich bin überzeugt, dass sie eine große Bereicherung für das Aufwachsen unserer Tochter sein wird! In Bezug auf Verantwortung übernehmen, der Wertschätzung von Lebewesen, die hilfloser sind und nicht zuletzt auch was die Allergieprävention betrifft.