Mama Talks: Irina – und wie es sich anfühlt bald zu dritt zu sein


Irina - Mama Talks
© Pamela Russmann

2002, lange bevor sie selber Mutter wurde, hat die Fotografin Pamela Rußmann begonnen, schwangere Frauen zu fotografieren. Seitdem porträtiert sie Jahr für Jahr in achtsam vorbereiteten und ausgeführten Fotoshootings eine Vielzahl von Frauen und hat nicht nur ein enorm umfangreiches Bildarchiv aufgebaut, sondern sich durch die Beschäftigung und die vielen Gespräche mit schwangeren Frauen auch inhaltlich intensiv mit den Veränderungen und emotionalen wie seelischen Ebenen auseinandergesetzt.

Exklusiv für Salon Mama hat die Fotografin & Journalistin Pamela Rußmann nun eine Reihe konzipiert, in der sie ihre bisherige Arbeit des Fotografierens von schwangeren Frauen um eine Ebene erweitert, nämlich: das Wort.


In unserem dritten Interview „Mama Talks No. 3“ (hier geht es zu No. 1 und No. 2) treffen wir die 35-jährige Irina, die ihr erstes Kind bekommt.

  • Name: Irina
  • Alter: 35
  • Beruf: Produktionsleiterin
  • Wievieltes Kind: erstes
  • Wohnort: Wien
  • Familienstand: ledig
Irina - Mama Talks by Pamela Russmann für Salon Mama
© Pamela Rußmann

Liebe Irina, wir haben deine Babybauchfotos sehr spät gemacht, nur wenige Tage vor dem errechneten Geburtstermin. Von Anspannung oder Nervosität hab ich bei dir nichts gemerkt…Wie fühlt es sich für dich an, so kurz davor? Was beschäftigt dich im Moment am meisten?

Hmm, die Grundstimmung ist auf jeden Fall Ruhe, ein Urvertrauen in meinen Körper, dass er das, was er bis jetzt geleistet hat, auch zu einem glücklichen Abschluss bringen wird. Große Vorfreude auf unsere Tochter! Manchmal schleicht sich aber auch Nervosität und Ungeduld ein. Die Vorstellung, dass es jeden Augenblick soweit sein könnte, ist schon aufregend.

Kannst du dir vorstellen, bald ein neues, kleines Lebewesen bei dir zu Hause zu haben?

Ja und nein. Mein Freund und ich sprechen häufig davon, wie verrückt es ist, dass tatsächlich bald unser klitzekleines Kindlein bei uns einziehen wird. Die Kugel, mit der wir seit neun Monaten sprechen, sie streicheln und für sie singen verwandelt sich in ein richtiges Kind. Es bleibt ein Gefühl der Ungläubigkeit, und auch manchmal der Sorge, ob man auch nichts falsch machen wird. Im Laufe der letzten Monate haben wir uns zu routinierten Eltern eines organisch perfekt eingepackten Babies entwickelt – sehr bald müssen wir wieder ganz neu beginnen, lernen die Bedürfnisse dieses kleinen Wesens zu verstehen und zu stillen. Gottseidank gibt es Muttermilch, das macht vieles schon einmal einfacher.

Hast du den berühmten Nestbautrieb verspürt und ausgelebt?

Ich hatte in der ersten Zeit des Mutterschutzes so viel Besuch von Freunden und Familie, dass ich sehr spät, aber dafür dann sehr konsequent den Nestbautrieb ausgelebt habe. Ein Gefühl der Ruhe hat sich erst ausgebreitet, als die Wickelkommode stand, die ersten winzigen Strampler gewaschen und im Schrank verstaut waren und genügend Windeln vorrätig waren. Wobei mein Vater amüsiert über meine Nervosität, dass sie kommen könnte, bevor die Wickelkommode nach meinen Wünschen umgebaut ist, nur meinte, dass seine Mutter fünf Kinder wunderbar auf dem Küchentisch gewickelt hätte. Dieser Wunsch nach Perfektion in meiner Generation – ich schließe mich nicht aus – ist sicher nicht förderlich für eine entspannte Grundhaltung.

Apropos Perfektion: Hast du die Tasche fürs Krankenhaus schon gepackt oder machst du das spontan?

Mein Freund hat so lange genörgelt, bis die Tasche dann vor ein paar Tagen endlich gemeinsam gepackt und griffbereit verstaut wurde.

Wird dein Lebenspartner bei der Geburt dabei sein?

Ja.

Es ist heutzutage normal, dass der Papa bei der Geburt dabei ist. Das war nicht immer so. Hast du auch mal dran gedacht, ihn nicht mitzunehmen in den Kreißsaal, nach dem Motto „das mach ich lieber allein, er soll mich nicht so sehen“?

Nein, das war für mich total klar und selbstverständlich, dass er die ganze Zeit dabei ist. Ich habe ihn aber trotzdem im Laufe der Schwangerschaft darauf angesprochen, ob er auch mal darüber nachgedacht hat, nicht dabei sein zu wollen. Er ist zwar, wie wahrscheinlich alle Erstlingsväter, nervös bei der Vorstellung, was ihn da erwarten wird, aber es ist auch für ihn völlig klar, dass er dabei sein möchte. Für mich bedeutet es sehr viel, dass er da sein wird, der Gedanke beruhigt mich ungemein.

Irina - Mama Talks by Pamela Russmann für Salon Mama
© Pamela Rußmann
Irina - Mama Talks by Pamela Russmann für Salon Mama
© Pamela Rußmann

Du hast dich für eine Wahlhebamme entschieden. Warum? Und wie hast du sie ausgewählt, also nach welchen Kriterien?

Das war für mich eine sehr schnelle und einfache Entscheidung. Meine Mutter hat mich 1980 zwar in einer der ersten Kliniken mit „rooming-in“ zur Welt gebracht, aber sie wurde, wie viele Gebärende davor und auch noch zu der Zeit während der Geburt übergangen und hatte keine Fürsprecherin, die sich kompetent für ihre Wünsche und Bedürfnisse eingesetzt hätte.

Eine Hebamme zu haben, die man nach Sympathiekriterien ausgesucht und vor der Geburt kennen gelernt hat, empfinde ich als sehr beruhigend! Ich habe bereits früh, im vierten Monat, nach einer Wahlhebamme gesucht. Eine liebe Freundin, die eine natürliche und schöne Geburt erlebt hat, empfahl sie mir. Bei einem ausführlichen Gespräch mit Kaffee und Kuchen in unserem Wohnzimmer haben mein Freund und ich sie kennen gelernt und waren beide sofort überzeugt, dass sie die richtige ist. Es war, passend zum Anlass, eine Bauchentscheidung.

 

Was erwartest du von „deiner“ Hebamme? Welche Rolle spielt sie für dich?

Sie weiß bereits durch unsere Gespräche, die wir verteilt über die Schwangerschaft geführt haben, was meine Wünsche sind. Ich stelle mir vor, dass sie mir mit ihrer Erfahrung, Ruhe und Kompetenz hilft, dieses Abenteuer für das Kind und mich so schonend wie möglich zu bewältigen. Die Geburt ist glaube ich ein intimer Akt, es ist wichtig für mich, dass dies in einem geschützten Raum, mit Menschen stattfindet, denen ich vertraue. Gebären muss natürlich ich selbst, das kann einem auch keine Wahlhebamme abnehmen, aber durch die im Vorhinein aufgebaute Beziehung, wird sie mir sicherlich helfen, mich zu entspannen und das ist, so wurde mir häufig gesagt, ja mit das wichtigste bei einer Geburt.

Irina - Mama Talks by Pamela Russmann für Salon Mama
© Pamela Rußmann
Irina - Mama Talks by Pamela Russmann für Salon Mama
© Pamela Rußmann

Ihr habt ein Haustier, einen Hund. Bist du selber auch mit Haustieren aufgewachsen? Denkst du, dass es für Kinder von Bedeutung ist, mit einem Bezug zu Tieren aufzuwachsen? Von wegen Verantwortung übernehmen usw..

Ich hatte als Kind nur Meerschweinchen und als Krönung ein Zwergkaninchen, ich habe mir immer einen Hund gewünscht. Durch die Berufstätigkeit meiner Eltern war dies leider nie möglich. Unsere junge Hündin haben wir erst vor einigen Monaten in Serbien angefahren auf der Straße gefunden und mitgenommen. Sie hat sich ziemlich schnell in unsere Herzen geschlichen und wir haben uns dann nach einer Weile und reiflicher Überlegung bewusst für ein Leben mit Kind und Hund entschieden. Auch hat sie eine ausgesprochen beruhigende Wirkung während der ganzen Schwangerschaft auf mich ausgeübt und auch noch durch ausgiebige Waldspaziergänge fit gehalten. Sie ist sehr lieb zu Kindern und ich bin überzeugt, dass sie eine große Bereicherung für das Aufwachsen unserer Tochter sein wird! In Bezug auf Verantwortung übernehmen, der Wertschätzung von Lebewesen, die hilfloser sind und nicht zuletzt auch was die Allergieprävention betrifft.

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